Strategien der Frömmigkeit
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eine Mischung aus Paradeissuppe, Griesbrei und Apfelstrudel, in bereit-gestellten leeren Konservendosen verabreicht. Gewöhnlich haben SandlerLöffel bei sich. Wenn nicht, so können sie einen von der Schwester leihweiseüberlassen bekommen.
Während der Einnahme der„ Klostersuppe" zeigen die Sandler sich mitder Suppe zufrieden und versuchen, gegenüber den Klosterschwestern ei-nen frommen und ergebenen Eindruck vorzutäuschen. Dies gelingt an-scheinend auch. Ist der Hunger durch eine„ Klostersuppe" noch nicht ge-stillt, so ziehen es einige Sandler vor, unmittelbar nachher noch andereKlöster wegen der Klostersuppe aufzusuchen, wo sie sich ähnlich frommverhalten.
Zur Frömmigkeit will auch eine Ordensschwester Sandler erziehen, diefür diese Leute eine Art Heim eingerichtet hat. In diesem erhalten Sand-ler eine billige Unterkunft und regelmäßige Mahlzeiten. Verlangt wird vonihnen, daß sie Ordnung halten, sich ruhig benehmen und ab und zu anfrommen Übungen, die die Schwester veranstaltet, teilnehmen. Von den-jenigen Sandlern, die sich auf diese Weise ein geruhsames Leben verspre-chen, ist auch zu erwarten, daß sie zumindest vor der Schwester als frommerscheinen.
2.2,, Fromme" Zinken und frommes Betteln vor Kirchen- heute und ihreTradition
Für den klassischen Bettler ist, wie ich oben durch Bezug auf eine hi-storische Quelle bereits angedeutet habe, eine intensive Beziehung zurFrömmigkeit traditionell angelegt und enorm wichtig. Dies wird auch beimStudium der sogenannten Gaunerzinken offenbar. Seit dem Mittelaltersind derartige Zeichen bekannt, mit denen Bettler und anderes Volk ihreKollegen darauf aufmerksam machen, wie sie sich zu verhalten haben, umohne große Probleme zu einem Almosen zu gelangen. Diese Zinken findensich bis in die Jetztzeit an Türen, bei Haustorglocken u.ä. Sie können z.B.darauf hinweisen, ob im Haus ein Polizist wohnt oder ein„, bissiger Hund"lauert.
Zu den alten Gaunerzinken gehört das Kreuz, mit welchem Bettlerngeraten wird, Frömmigkeit zu heucheln, um zu Geld und anderen mildenGaben zu gelangen 19. Ungemein wichtig für das Leben als Bettler sindfromme Orte, wie die Plätze vor den Kirchen, in Wien z.B. vor der Ste-fanskirche. Diese Plätze haben sich, wie ich erfahren konnte, geschickte
19
Kopecny, wie Anm. 4, S. 163.