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Volksfrömmigkeit : Referate der Österreichischen Volkskundetagung 1989 in Graz
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367
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ROLAND GIRTLER, WIEN

Strategien der Frömmigkeit in Subkulturen

In meinen folgenden Ausführungen werde ich mich wohl auch auf dieVolksfrömmigkeit beziehen, allerdings von einer eher ungewöhnlichen Sei-te her, wie sie kaum in anderen Arbeiten besprochen wird. Ich werdenämlich versuchen, die Volksfrömmigkeit als einen Bereich zu beschreibenund zu diskutieren, aus dem Bettler, Sandler und Ganoven sich Gewinn,Lebensunterhalt und ganz allgemein einige Vorteile holen.

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Mit der Volksfrömmigkeit- also mit der Frömmigkeit des braven"Bürgers und anderer ehrenwerter Leute korrespondieren jene frommenund geschickt geheuchelten Strategien von Bettlern und anderen Spezia-listen, die von ihnen eingesetzt werden, um die Volksfrömmigkeit für sichzu nutzen bzw. fromme Menschen zu einem Almosen zu veranlassen( inso-fern unterscheiden sich- nach Aussagen einer lieben Kolleginund Ganoven nicht grundsätzlich von Pfarrern und anderen heiligmäßigenLeuten, die dasselbe tun, um zu Spenden für angeblich wichtige frommeDinge zu gelangen).

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Bettler

Es geht also im folgenden um Tricks, gespielte und nicht ernst gemeinteFormen der Frömmigkeit. Das heißt, ich beziehe mich auf Handlungsmu-ster der Frömmigkeit, die bewußt inszeniert werden, um sich als jemandherauszustellen, der gefördert, beschenkt oder sonstwie begünstigt wer-den soll. Solche Strategien gibt es in allen sozialen Gruppen, doch einebesondere Bedeutung haben sie in ganz bestimmten Subkulturen, auf dieich hier eingehen werde.

Bevor ich mich näher auf die Kunstgriffe der Frömmigkeit beziehe,möchte ich hier ein paar Gedanken zur Magie, die sich von Religiositätund Frömmigkeit nur schwer trennen läßt, anbringen. Magie, dies ergibtauch meine Forschung, ist in vielfältiger Weise mit dem Ganovenlebenverknüpft. Bronislaw Malinowski¹ meint, das Charakteristische der Ma-gie liege darin, daß sie der psychischen Sicherung diene, nämlich als eineTechnik, Unbekanntes und Unvorhersehbares zu kontrollieren. Insofern

1 Bronislaw Malinowski, Magie, Wissenschaft und Religion, u.a. Schriften, Frankfurt1973, S. 12ff.