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Gerda Grober- Glück
die in der Gesindehierarchie obere Ränge einnehmen. Mit acht Belegensind weibliche Hilfskräfte selten; als Magd, Wirtschafterin, Kucheldirn,Dirn erscheinen sie vor allem im Süden Österreichs. Einige Hinweise las-sen schließen, daß die Dienstboten bei getrennten Tischgemeinschaftenvon Familie und Hausgesinde in Funktion treten; es gibt aber auch Mit-teilungen, daß der erste Knecht gerade beim gemeinsamen Tisch und dieMutter in der Küche anschneidet. Eine Erklärung der Unterschiede erlau-ben die wenigen Spontanangaben nicht. Daß wie für das Anschneiden dessehr schweren und umfangreichen norddeutschen Roggenbrotes, das sogareiner besonderen Krücke bedurfte, auch in Österreich auf die männlicheKraft des Knechtes zurückgegriffen werden mußte, ist trotz hier gebiets-weise unterschiedlicher Brotgrößen³ wenig wahrscheinlich. Einzelangabenüber Anschneidende wie„, der Älteste" oder„ die älteste Tochter" ist kaumgrößere Bedeutung zuzusprechen.
Zu den Antworten„ keine Regel, jeder schneidet an", die neben Fehl-angaben die Ablösung des Brauchs beinhalten, gibt es einige weitereUmschreibungen des brauchlosen Zustands:„ unbestimmt";„, wie's geradekommt"; ,, wer's braucht"; ,, wer Hunger hat";„ wer will";„ jeder, der schnei-den kann";„, wer an der Reihe ist". Wieweit an dieser Auflockerung derbrauchtümlichen Regelung gelegentlicher Übergang zum Kaufbrot betei-ligt ist, ist, wie bereits angedeutet, den Antworten nicht zu entnehmen.Aus Spontanangaben läßt sich aber erschließen, daß„ jeder" als„ jedervon den erwachsenen Hausleuten" zu interpretieren ist; Kinder und nichtzum Haus Gehörige schneiden nie an. Der Wandel, sich beim Anschnei-den nicht mehr auf bestimmte Personen unter den Hausleuten festzulegen,scheint mir eher auf Veränderungen der Mentalität zurückzugehen als aufmaterielle Gegebenheiten. Festzuhalten ist aber, daß um 1930 die die Se-genshandlung ausführende„ ,, würdige Person" überwiegend in Geltung ist.
DAS BEKREUZIGEN DES BROTES( ADV- FRAGE 149B)
Die ADV- Frage 149b:„ Welche Gebräuche sind beim Anschneiden desBrotes üblich?“ wurde ausschließlich mit Angaben über das Bekreuzigendes Brotes beantwortet. Die Verbreitung dieses Brauches um 1930 ist be-achtlich; er ist im ganzen bearbeiteten Gebiet bekannt, und die Zahl derOrte ohne einschlägige Belege ist verschwindend gering. Da nicht nachder Häufigkeit innerhalb der einzelnen Orte gefragt wurde, ist über die
8 Assmann( vgl. Anm. 7), Kommentar S. 4.