Quellenvergleich zu den Fronleichnamsprozessionen
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Gutdünken von Volk und Klerus, da sie„ durch göttliche Einge-bung eingeführt zu sein scheint". 1429 folgt der erste päpstischeAblaß für die Prozession( Martin V.), 1600 deren erste Regelungim Zeremoniale episcoporum, 1614 die erste Regelung im RitualeRomanum.8
Die späte Einführung der Prozession, das Fehlen aller kirchlichen Richtli-nien dafür( abgesehen von den allgemeinen Richtlinien für die Durchfüh-rung von Prozessionen) führten von Anfang an zu regionalen Besonder-heiten der Fronleichnamsprozession.
Folgende regionale Unterschiede sind hervorzuheben:
1. Besonders im deutschen Sprachraum sind von ihren Anfängen anVerquickungen der Fronleichnamsprozession mit den älteren Flur-und Wetterprozessionen zu sehen, obwohl, ich habe das bereitserwähnt, der Fronleichnamsprozession und dem Fest ausschließlichder Charakter der Verherrlichung des transsubstantiierten Gottesund seines Triumphes über die Ketzer zukam.
In ländlichen Bereichen, fast durchwegs auch im alpenländischenRaum, wurde die Fronleichnamsprozession so auch zur wesentli-chen Flur- und Wetterprozession und übernahm deren Wege undAusstattungen. Die im ganzen deutschen Sprachraum üblichen vierStationsaltäre mit der Verlesung der Initien der Evangelien sind soeine regionale Zutat, die erst 1820 von der Kirche offiziell anerkanntwurde, aber bereits im Mittelalter nachweisbar ist.⁹
Teppiche, Blumenteppiche, Bäume an den Prozessionswegen, mit-getragene grüne Kränze und Segenszweige sind, wie immer sieheute auch gedeutet werden, vielfältiger Herkunft. Nicht nur derSegens- und Wachstumscharakter sollte dabei gesehen werden, son-dern auch deren Bedeutung als Zeichen der Festesfreude, des Frie-dens, der sich durch alle vor- und frühchristlichen Prozessionenebenso wie durch die mannigfachen Herrschergeleite zieht.10
8 LThK, 4. Bd., Sp. 406.— Xaver Haimerl, Das Prozessionswesen des Bistums Bam-berg im Mittelalter. München 1937, S. 32-34.- Anton Kern, Das Officium De Cor-pore Christi in Österreichischen Bibliotheken. In: Extrait de la révue bénédictine,Nr. 1-2, 1954, S. 56.
LThK, 4. Bd., Sp. 406, 23.9.1820.
10 LThK, 4. Bd., Sp. 406.