ULRIKE KAMMERHOFER- AGGERMANN, SALZBURG
Quellenvergleich zu den Fronleichnamsprozessionen in denStädten Graz und Salzburg vor und nach der Reformationszeit.Die Rolle der Corporis- Christi- Bruderschaften
in der Fronleichnamsprozession
Meine Studien zur Grazer Fronleichnamsprozession führten zu meiner Dis-sertation über dieses Thema bei Oskar Moser¹, die Grazer Quellenlage istmir bis in die Mitte des 19. Jh.s weitgehend bekannt. Meine Beschäftigungmit den Salzburger Quellen steht an den Anfängen, dennoch bieten sichbereits jetzt bedeutsame Unterschiede dar.
Gerade die Unterschiede in der Prozessionsgestaltung, der Hauptträger-schaft der Prozessionen, in den Rechten und Aktivitäten der Bruderschaf-ten, bestärken mich in der Ansicht, daß kaum eine andere Festlichkeit undreligiöse Feier der Amtskirche so dazu prädestiniert ist, die vielfältigenAspekte der Volksfrömmigkeit darzustellen, wie die Fronleichnamsprozes-sion.
Um die Besonderheit dieser Prozession und die sich daraus ergebendenvolkskundlich relevanten Fakten besser verständlich zu machen, müssenSie mir eine weitläufige Annäherung an das Thema gestatten.
Die Fronleichnamsprozession ist als einzige Prozession der katholischenKirche eine Theophorie, sie ist der Triumphzug des transsubstantiiertenGottes ohne jeglichen Bitt- und Segencharakter( wiewohl ihr gerade die-ser in der Volksfrömmigkeit des deutschen Sprachraumes zugefügt wurde).Das Fest wurde am 8. September 1264 von Papst Urban IV. für die ge-samte Christenheit in der Bulle„ Transiturus de mundo" eingeführt, als,, Triumph der Kirche, um den Wahnsinn der Ketzer zu verwirren", wiees im Text der Bulle ausdrücklich heißt². Dem Fest war zu dieser Zeit
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1 Ulrike Aggermann- Bellenberg, Die Grazer Fronleichnamsprozession von der Zeit ih-rer Entstehung bis zu den Reformen des Aufgeklärten Absolutismus. Eine volkskund-lich- kulturgeschichtliche Studie über die städtische Volksfrömmigkeit als Ausdruckdes Zeitgeistes. Phil. Diss. Graz 1982.
Bulle ,, Transiturus de mundo" vom 11.8.1264. Eb. In: Potthast Augustus, RegestaPontificorum Romanorum, 2. Bd., Berolini 1875, Nr. 18.989, S. 1538.- Paolo To-schi, Enzyclopedia Cattolica. Firenze 1955, Bd. 2, Sp. 611( zitiert als Cattolica). ·