260
Re porte de l' inferno serà ben serà
Quelle del paradiso sarà adverte e parichià.-Cristo lo faza, pella sua misericordia e piatà.-
_
-
Zsuzsanna Erdélyi
Beide zeigen schon in dieser relativen Frühzeit den Einfluß des Vul-garsprachlichen, wie man auch aus den zu dieser Zeit verbreiteten la-teinischen Formeln folgern kann:„ Oratio beati Gregorii papae de quin-que vulneribus Christi Jesu; et quicunque hanc orationem cum devo-tione dixerit, habebit quingentos annos indulgentiarum" 18. In spätmittel-alterlichen Gebetbüchern findet man solche oder ähnliche Überschriftenoder Schlußformeln, welche man auf lateinische Redaktionen zurückführenkann. Durch ihre Folklorisation verbreiteten sie sich in ganz Europa. Manliest sie in deutschen, dänischen usw. Gebetbüchern des 15. Jh.19 ebensowie in ungarischen Kodizes oder in den heutigen archaischen Volksgebe-ten Ost- und Süd- Europas. Vielleicht„ überfolklorisiert" wurden einigeFormeln, wie z.B. die folgende lateinische, welche sogar die mittelalter-lichen, in bezug auf mystische und magische Inhalte noch nicht völligdifferenzierten Bewußtseinsformen des Volkes ausdrückt:
„ Beatus augustinus fecit hanc oracionem quam si quis legerit autsuper se portauerit nullus inimicus ei nocere potuerit. et illa dienec in igne nec in aqua nec veneno mortifero morietur nequenocebit et cum anima de corpore egressa fuerit infernus eam nonpossidebit" 20
Obwohl diese Formeln ursprünglich kirchlichen Gepräges waren, wurdedieses geistige Erbe des Volkes von der Kirche nicht wahrgenommen oder,falls sie diese Texte kennenlernte, nicht angenommen. Nicht einmal diehohe Innigkeit der Gebete konnte sie beeinflussen. Erst die sogenannten
18 L. Katona: Újabb adalékok kódexeink forrásaihoz. ITK 1906. S. 337; Hortulus ani-mae.( 1511), folio vij; Gömöry- kódex. 1516. Nyelvemléktár XI. S. 315.
19 W. Wackernagel: Altdeutsche, wie Anm. 8, S. 243; K. M. Nielsen: MiddelalderensDanske Bønnebøger. I, København 1946, S. 237; Hortulus animae, wie Anm. 18,folio vi; Gömöry- kódex, wie Anm. 18; Nyelvemléktár XI, S. 342; L. Katona: Újabbadalékok, wie Anm. 18, S. 336.
20
Peer- kódex. Anfang des 16. Jhs., Nyelvemléktár II, S. 78; Gömöry- kódex, wie Anm.18; Nyelvemléktár XI, S. 338, 340; K. M. Nielsen: Middelalderens, wie Anm. 19,S. 209. Ihre Folklorisationen z.B.: Jesus, Maria, Josef. Andächtige Gebete zu Jesuund der heil. Mutter Anna. Budapest, Druck und Verlag von Emerich Bartalits.O.J., Nr. 30; P. Toschi: La poesia religiosa, wie Anm. 4, S. 70-71.