CORNELIA GÖKSU, HAMBURG
Heroldsbach
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eine ,, verbotene Wallfahrt❝
der Nachkriegszeit in Süddeutschland*
Im Oktober 1949 rückte das oberfränkische Heroldsbach( Erzdiözese Bam-berg/ BRD) gleichsam über Nacht- in die Schlagzeilen: Am 9. Oktoberhatten vier Mädchen behauptet, eine gleißende Erscheinung über einemBirkenwäldchen südlich des Dorfes erblickt zu haben. Nach anfänglicherSkepsis und Ablehnung von seiten der Eltern und des Ortsgeistlichen be-gannen die Kinder diese, schon bald als„, Muttergottes" identifizierte Ge-stalt, täglich zu schauen. Groß aufgezogene Berichte in den Zeitungen undZeitschriften der noch jungen Bundesrepublik machten das„ Wunder" imdeutschsprachigen Raum rasch bekannt, und bald strömten ZehntausendeNeugieriger und( Wunder-) Gläubiger ins„ fränkische Lourdes".
ZUR VORGESCHICHTE:
ORTSPFARRER JOHANN GAILER UND SEIN WIRKEN IN DERPFARREI HEROLDSBACH- THURN VON 1914-1949
Ein Schlüssel zum Phänomen Heroldsbach dürfte in der Person des da-maligen Ortspfarrers Johann Gailer liegen. 1914 übernahm er die PfarreiHeroldsbach- Thurn. Gailers Charakter wird als sehr eigenwillig und un-duldsam beschrieben. In seiner Gemeinde genoß er dennoch großen Einflußund wurde am Ende sogar fast wie ein Heiliger verehrt. Von Anfang an trater begeistert für die Visionen ein. Vielleicht, weil er darin eine Möglichkeitsah, seine Position gegenüber den erzbischöflichen Behörden zu stärken,und seiner Gemeinde zu Berühmtheit und Wohlstand zu verhelfen.
Bis in die Nachkriegszeit führte Gailer nämlich einen zähen und zuneh-mend verbissenen Kampf mit dem Bamberger Erzbistum, in dem es nurvordergründig um die Abfassung einer Dienstvorschrift ging(!). Schließlichverbat sich der Erzbischof jeden weiteren schriftlichen und mündlichen
* Diese Kurzzusammenfassung basiert auf der Dissertation der Verfasserin ,, Herolds-bach Eine, verbotene Wallfahrt' der Nachkriegszeit in Süddeutschland". Hamburg1988; Buchausgabe erscheint voraussichtlich im Herbst 1990.