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Volksfrömmigkeit : Referate der Österreichischen Volkskundetagung 1989 in Graz
Entstehung
Seite
203
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INGO SCHNEIDER, INNSBRUCK

Belohntes Vertrauen?

Überlegungen zu Struktur und Intentiongegenwärtiger Gebetserhörungen

Der Titel dieses Referates ist geborgt. Belohntes Vertrauen", allerdingsohne Fragezeichen, ist die Überschrift einer Rubrik einer in Einsiedelnerscheinenden Monatsschrift, in der Berichte über Gebetserhörungen aufFürsprache des Bruders Meinrad Eugstler mitgeteilt werden. Die Über-schrift trägt Signalcharakter und vermag ein wesentliches Merkmal derPublizierung von Gebetserhörungen zu verdeutlichen: Diese Berichte sindniemals nur Dokument für die Wirkungsmächtigkeit eines Heiligen bzw.eines zukünftigen Heiligen, sie sind nicht lediglich Beweis für bereits be-lohntes Vertrauen, sondern immer auch Angebot und Aufforderung an denLeser, zu dem jeweiligen Fürsprecher Vertrauen zu fassen und allfällige ei-gene Erhörungen mitzuteilen.

I

Lassen Sie mich zunächst zwei Beispiele bringen:

1

,, Mein Mann hatte am Aschermittwoch( 1987) eine sehr schwereGehirnblutung mit unerträglichen Schmerzen, was sich die Ärztenicht erklären konnten. Nach einigen Stunden verlor er das Be-wußtsein und lag in einem ersten und dann in einem zweitenKrankenhaus im tiefsten Koma. Obwohl die Ärzte nicht wollten,drängte ich, ihn nach Innsbruck zu transportieren. Aber auchdort konnten die Ärzte nur totale Lähmung, tiefstes Koma, alsoeine aussichtslose Situation feststellen. Trotz liebevoller Pflegeverschlimmerte sich der Zustand stündlich. Sollte er nicht ster-ben, würde er so mußte man befürchten- lahm, geistig nichtnormal und blind bleiben. Aber ich betete ganz vertrauensvollzum seligen Freinademetz und hoffte fest auf Erhörung. Mein

Maria Einsiedeln. Benediktinische Monatsschrift. Offizielles Organ der WallfahrtEinsiedeln.