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Volksfrömmigkeit : Referate der Österreichischen Volkskundetagung 1989 in Graz
Entstehung
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Herlinde Menardi

gesetzt, um das Ostergeheimnis möglichst anschaulich zu vergegenwärti-gen. Auch die Gesänge sind entsprechend gestaltet. Den Höhepunkt bildetdie Auferstehungsfeier, in der das Allerheiligste wieder in den Taberna-kel zurückgetragen wird, das Bild des toten Christus in der Versenkungverschwindet und gleichzeitig der Auferstandene erscheint.

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Das Heilige Grab in der Jesuitenkirche fand bald Nachahmung in an-deren Kirchen. 1628 berichtet der Augsburger Patrizier Philipp Hainho-fer, daß in neun Innsbrucker Kirchen Heilige Gräber aufgestellt waren.Um die Mitte des 17. Jahrhunderts waren die von der Kirche initiiertenOstergräber im ganzen Land eine Einrichtung, die breite Aufnahme imVolk gefunden hatte. Die Ablösung eines alten Ostergrabes durch ein Ex-positionsgrab, die allerdings erst um die Mitte des 18. Jahrhunderts statt-fand, gibt eine Notiz aus Angath im Unterinntal wieder: Es war vormalennur ein schlechtes Grab hier in Form einer Truhen, worinnen die gema-lene Bildnis des verstorbenen Erlösers lag, daher auch das Sanctissimumkunnte selten ausgesetzt werden." 9( Die im Bozner Museum verwahrtegotische Holztruhe aus Villanders, um 1525, mag als Beispiel für solcheine Grabtruhe stehen). Mit dem Aufschwung der Malerei begannen sichimmer bessere Künstler mit der Herstellung der kulissenartigen Aufbau-ten zu beschäftigen. Die künstlerische Gestaltung der Heiligen Gräber im17. und frühen 18. Jahrhundert beeinflußt das Lehrbuch für perspektivi-sches Malen und Zeichnen des Tiroler Jesuitenfraters Andrea Pozzo ausTrient.10 Die Kirche wird zum theatrum sacrum. Die Übernahme vonElementen des zeitgenössischen Theaters eine besonders markante Er-scheinung barocker Kirchenpraxis betrifft sowohl die Architektur alsauch die Gestaltung der Liturgie. Zu verweisen ist hier auf die engensammenhänge mit dem religiösen Schauspiel und den Umgangsspielen¹¹,auf die in diesem Rahmen nicht näher eingegangen werden kann.

Zu-

Es gibt über die Gräber des 17. Jahrhunderts eine Reihe von archiva-lischen Belegen und auch authentischen Nachrichten, in denen die große

8 Oskar Doering: Des Augsburger Patriziers Philipp Hainhofers Reisen nach Innsbruckund Dresden, Wien 1901, S. 54.

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Nikolaus Grass: Barock- Heiliggräber, in: Ostern in Tirol, Schlernschriften 169, Inns-bruck 1957, S. 228.

10 Andrea Pozzo: Perspectiva Pictorum et Architectorum, Rom 1693.

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Die geistlichen Spiele des Sterzinger Spielarchivs( Vigil Rabers), nach Handschriftenherausgegeben von Walter Lipphardt und Hans- Gert Roloff, Bd. 1, Bern, Frankfurta.M., Las Vegas 1981.