152
Alois Döring
28
29
30
in Wackersdorf aktiv:
* Im Herbst 1984 errichtet eine Gruppe von Christen aus Bürgeri-nitiativen, Naturschutzverbänden und kirchlichen Organisatio-nen eine Kapelle mit dem Bildstock des heiligen Franziskus.Der Künstler Bernd Trepesch hat den„ Ökologie"-Heiligen 28 aufdem Hintergrund der konkreten Bedrohungen der OberpfälzerLandschaft( bedrohte Tiere, Waldsterben, Atomgefahr) darge-stellt.„ Franziskus ist zur Symbolfigur des konservativen, christli-chen Widerstandes in Wackersdorf geworden." 29 Das Franziskus-Marterl wird zum Treffpunkt und Gebetsort. 30
Vgl. z.B. Fulbert Steffensky: Franz von Assisi: zärtlich und subversiv. In: Bahr,Franziskus in Gorleben, S. 9-16; Hans- Eckehard Bahr: Naturverbundenheit undmenschliche Welt. Unterwegs zur Ökologie des Zusammenlebens. In: Bahr, Fran-ziskus in Gorleben, S. 119-140, bes. S. 124ff.( Er schreibt u.a.:„ Wo frage ich mich,wäre der Franz von Assisi heute zu finden, bei den Umweltschützern, bei den prote-stierenden Bauern von Gorleben, bei den Zivildienstleistenden? Bei den Polizisten,den blutjungen Bundesgrenzschutzsoldaten, die alle 12 Tage dort bei Gorleben aus-getauscht werden, damit das Trennungsgeld nicht fällig wird und der Kontakt zurBevölkerung nicht zu eng? Wo, frage ich. Auf der Seite der Opfer, bestimmt, aberwo sind keine Opfer in Gorleben und überall da, wo um die Zukunft des Überlebensgerungen wird?" Ebda., S. 125); Anton Rotzetter: Franz von Assisi. Erinnerung undLeidenschaft. Freiburg, Basel, Wien 1989. Zu Franziskus und lateinamerikanischeBefreiungstheologie, die einen wichtigen Einfluß auf die hiesige politische Theologiegenommen hat, vgl. Leonardo Boff:„ Alles an Franziskus lädt zur Praxis ein: in alter-nativem Handeln- das mehr Zuwendung zu den Mitmenschen, mehr Zärtlichkeitfür die Armen und mehr Achtung vor der Natur bringt aus dem herrschendenSystem auszuziehen"; Zärtlichkeit und Kraft. Franz von Assisi, mit den Augen derArmen gesehen. Düsseldorf 1983, S. 218.
Beate Seitz: Christen gegen die WAA: Spaltet das Atom die Kirche? In: Natur&Umwelt 65( 2/1985) S. 11.
' Dies gilt auch nach dem Ende der WAA:„ Das Franziskus- Marterl im Wald beiWackersdorf soll nach dem Willen des Regensburger Arbeitskreises„ Theologie undKernenergie" als Brennpunkt des christlichen Widerstandes gegen die Zerstörungder Umwelt erhalten bleiben... Die Gottesdienste an der Kapelle sollen nachMitteilung der Arbeitskreis- Sprecherin Christ! Wacht bis 15. Oktober ohne Un-terbrechung fortgesetzt, danach auf eine Andacht pro Monat reduziert werden."Süddeutsche Zeitung v. 3.8.1989. Bei einem Bürgergespräch setzte sich der katholi-sche Theologieprofessor Norbert Greinacher für eine Fortsetzung der Begegnungenam Franziskusmarterl aus, wo sich in dreieinhalb Jahren und rund 200 Andachteneine ökumenische Basisgemeinde formiert habe. Mitglieder der Bürgerinitiative be-