ULRIKA WOLF- KNUTS, ÅBO/ TURKU
Das Teufelsbild in einem finn- schwedischen Kirchspiel( Vörå) 1870-1930
Der Teufel ist böse. Darin sind sich die Bibel, die Andachtsliteratur, dieHandbücher und Nachschlagewerke der einschlägigen Wissenschaften ei-nig. Und dies wird auch für die Volksfrömmigkeit vorausgesetzt, denn imKampf zwischen Gut und Böse soll der Mensch ja die richtigen Entschei-dungen treffen und die rechten Strategien dafür vorfinden können.¹
Sehr viele Studien über übernatürliche Wesen stützen sich auf gewal-tige Materialsammlungen, wodurch die Verfasser meinen, sich über dieVorstellungen von jenem Wesen äußern zu können.² So können sie freilichetwas über die geographischen Unterschiede sagen. Aber dadurch gibt esauch das Risiko, daß Vereinfachungen und Verallgemeinerungen eintre-ten, die die Nuancen ausgleichen, und folglich glaubt der Leser leicht, dieVorstellung einer Gegend sei sehr einheitlich. Ist die volkstümliche Teu-felsvorstellung nun wirklich so einheitlich? Wie sieht der volkstümlicheTeufel eigentlich aus? Ist er wirklich böse und ist er immer nur böse?
Um meine Fragen zu beantworten, habe ich das Teufelsbild in einemeinzigen Kirchspiel, Vörå, in Finnland, näher untersucht. Es handelt sichum eine schwedischsprachige Bauerngegend, wo der Einfluß verschiedenerErweckungsbewegungen sehr groß war.
Mein Material zerfällt in zwei Hauptteile. Die erste Gruppe umfaßt dieAndachtsliteratur, die man um die Jahrhundertwende in Vörå las, d.h.Luthers und Arndts Postillen, ein Paar Postillen von nordischen Verfas-sern( Nohrborg und Björkqwist), das Gesangbuch und einige herrnhutischbeeinflußte Liederbücher, wie Sions sånger und Sionsharpan. Die zweiteQuellengruppe besteht aus folkloristischem Material, und zwar etwa 140Texten, gesammelt und aufgezeichnet zwischen 1870 und 1930 von Stu-
1 Funk& Wagnalls S. 310, 973; Heggum S. 125f.; Mensching S. 704f.; HartmannS. 828f.; The new Encyclopaedia Britannica S. 502.
2 Z.B. Stattin, Granberg u.a.