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Volksfrömmigkeit : Referate der Österreichischen Volkskundetagung 1989 in Graz
Entstehung
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Paul Rachbauer

ehrung beizukommen.

Seit einiger Zeit sind nunmehr vermehrt die Traditionalisten am Wort.

VON DER BITTPROZESSION ZU WOHNVIERTELMESSEN

Bittwochenprozessionen sind nach wie vor aktuell, wenn auch deren Wegezunehmend durch die Motorisierung bestimmt werden. Auf der Suche nacheinem zeitgemäßen Bezug startete der Pfarrgemeinderat von Feldkirch-Gisingen 17 vor fünf Jahren einen Versuch. Als Prozessionsziel wurde je-weils anstelle der Äcker, Wiesen und Felder ein dichtbewohntes Siedlungs-gebiet ausgewählt, wo ein Team aus Bewohnern und Helfern des Pfarrge-meinderates die Vorbereitungen traf. Anstatt nun mit der Prozession indie Kirche zurückzukehren, fand dann dort, inmitten der vielen Wohnun-gen,die Bittmesse im Freien statt. Anschließend wurde zu einem Imbiẞ mitUmtrunk gegen geringes Entgelt eingeladen, wodurch das Gespräch mitund unter den Bewohnern des betreffenden Wohnviertels gefördert wer-den sollte. So entstanden die Wohnviertelmessen, die trotz gelegentlicherwitterungsbedingter Widerwärtigkeiten nun fünf Jahre lang mit Erfolgpraktiziert werden.

Am Markustag dieses Jahres gab es zwischen den Hochhäusern derHämmerlestraẞße die bis jetzt größte Beteiligung, sowohl bei der Prozessionals auch bei der Messe. Der Bischof selbst ging betend mit und feierte aufdem Kinderspielplatz zwischen den dortigen Wohnungen die Bittmesse. Inseiner Predigt stellte er neben den üblichen Anliegen wie Wetter, Wachs-tum, tägliches Brot für alle und Umwelt vor allem die Notwendigkeit ei-ner sauberen geistigen Umwelt als Grundlage für die glückliche Familie inden Mittelpunkt seiner Betrachtungen. Die Familien des Wohnzentrumswaren dabei, die einen um den Altar geschart, die anderen von den Bal-konen und Fenstern aus. Beim anschließenden Umtrunk kam der Bischofmit Erwachsenen und Jugendlichen ins Gespräch, schwerpunktmäßig mitden Firmungsgruppen.

Die Erfahrungen in Feldkirch zeigen, daß Verkehr und schlechtes Wetterwenig Einfluß auf Wohnviertelmessen haben. Die angesprochenen Hoch-hausbewohner machen mit und sehen darin als Volk Gottes miteinanderauf dem Weg" inmitten ihrer Straßen und Wohnungen eine Möglichkeit,heute Bittprozessionen durchzuführen.

17 S. Anm. 16.