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Volksfrömmigkeit : Referate der Österreichischen Volkskundetagung 1989 in Graz
Entstehung
Seite
91
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GÁBOR BARNA, BUDAPEST

Zur Erforschung des religiösen Volkslebens im Ungarnder Nachkriegszeit

Mein kurzer Überblick über die Erforschung des religiösen Volkslebensin Ungarn kann nur skizzenhaft bleiben. Und dies nicht allein wegen derkurz bemessenen Zeit auf der Konferenz, sondern auch, weil dieser Wissen-schaftszweig gerade heute in Ungarn in jene Lage geraten ist, den bislangzurückgelegten Weg abschätzen zu können, bisherige Ergebnisse sichtenund zukünftige Aufgaben umreißen zu dürfen.¹

,, Lange Zeit hat die volkskundliche Forschung in Ungarn wederder ungarischen Volkskultur noch der christlichen Religion odergar der innerlichen Verknüpfung der aus ihr ersprießenden Kul-tur ein besonderes Interesse gewidmet. Die Hauptkraft wurdedarauf verwendet, die autochthonen- oder eben dafür erachte-ten- Güter des Ungarntums zu erkennen."

So heißt es in den Worten von Sándor Bálint, dem größten Kenner derungarischen religiösen Volkskunde, welche dieser 1943 niederschrieb, ineiner Zeit, die heute zu Recht als Periode der Ausweitungen dieser For-schung angesehen werden darf. Jener Aufschwung dauerte aber nur bisEnde der vierziger Jahre. Danach wurde einer Erforschung des religiösenLebens inmitten des überideologisierten Wissenschaftslebens und in ei-ner gegen Religion und Kirche gerichteten Athmosphäre jegliche Chancegenommen. Dies bedeutete den Abbruch einer geradlinigen Entwicklung,denn die dreißiger und vierziger Jahre hatten verheißungsvolle Anregun-gen gebracht. Damals hatten sich die wichtigsten theoretischen Fragengeklärt, und sowohl in der Erforschung historischen Materials wie auch

1 Frühere Zusammenfassungen: Bálint, Sándor: A magyar vallásos népélet kutatása.In: Vallási néprajz III. Budapest 1987, S. 8-66; Bartha, Elek: A hitélet kutatása egyzempléni faluban. Debrecen 1980, S. 5-14; Tüskés, Gábor: Religiöse Volkskunde inUngarn. Jahrbuch für Volkskunde, Neue Folge 4, 1981, S. 207-224.