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Volksfrömmigkeit : Referate der Österreichischen Volkskundetagung 1989 in Graz
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63
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KLAUS BEITL, WIEN

Volksfrömmigkeitsforschung in Frankreich.Versuch einer Annäherung

1. DER BEFUND DER PASTORALTHEOLOGIE

,, Wiederentdeckung der Volksfrömmigkeit" konstatierten der Herausge-ber Jakob Baumgartner und die Autoren des gleichnamigen, vorab für diePastoraltheologie bestimmten Sammelbandes, worin vor zehn Jahren ,, eindeutlicher Wandel in der Einstellung zu dem, was man mit den( unschar-fen) Begriffen wie, Volkskatholizismus' ,, Volksreligiosität' ,, Popularchri-stentum' ,, Frömmigkeit der armen Leute' zu bezeichnen pflegt", vermerktwurde( J. Baumgartner 1979: 7):

,, Noch vor kurzem als minderwertig eingestuft, von, mündigen'Christen, die einem Glauben ohne religiöse Abfallprodukte dasWort redeten, zu den Relikten der Vergangenheit gerechnet,erfährt die sogenannte Volksfrömmigkeit in unseren Tagen eineArt Neuentdeckung. Dieses Phänomen, erklärbar auf dem Hin-tergrund der Tatsache, daß manche totgesagten Anschauungenund Praktiken weiterbestehen oder sich verstärkt haben, riefnicht nur die kirchliche Hierarchie auf den Plan,(...) son-dern regte auch die Humanwissenschaften, vorab Soziologen, al-len voran die Franzosen, zur Erforschung religiöser Verhaltens-weisen an,die einem nicht unbedeutenden Teil des Kirchenvolkeszu eigen sind"( J. Baumgartner 1979: ebda.).

Es bestätigt sich die Erfahrung der Pastoraltheologen, daß gerade diesebreite Schicht im Kirchenvolk der Vermittlung des Glaubens durch ver-traute Formen, gemeinsame Riten, Vollzüge und Begehungen" verlangt;" gestaltgewordene Frömmigkeit ist ihr ein Lebensbedürfnis"( J. Baum-gartner 1979: 8).

,, Für eine wirklichkeitsnahe Seelsorge folgt daraus, daß es sichnicht so darum handeln( kann), die, religion populaire' zu ignorie-ren, der Lächerlichkeit preiszugeben, wenn nicht gar zu bekämp-fen, als vielmehr sie zu evangelisieren oder, wie der Franzose sich