NILS- ARVID BRINGÉUS, LUND
Entwicklung und Stand der
religionsethnologischen Forschung in Skandinavien
Als Gymnasiast in Lund Anfang der vierziger Jahre hörte ich eines Tages,daß ein Professor eine öffentliche Vorlesung über etwas halten sollte, wassich kirchliche Volkskunde nannte. Der Vortragende hieß Hilding Pleijelund war Professor für Kirchengeschichte; er war ein ziemlich kleiner Mannmittleren Alters, der lebhaft und mitreißend mit småländischem Tonfallsprach. Er legte große Begeisterung für sein Fach an den Tag, aber mirist aus seiner Vorlesung eigentlich nur ein Beispiel in Erinnerung, das mireinen unauslöschlichen Eindruck machte.
In einem dänischen Dorf, berichtete Pleijel, pflegten die Männer undFrauen, bevor sie in die Kirche eintraten, sich vor der leeren Wand zu ver-neigen beziehungsweise zu knicksen. Niemand konnte erklären, warum siedas taten, bis sich bei einer Restaurierung der Kirche zeigte, daß sich indieser Mauer eine Nische mit einem Marienbild befunden hatte. Die Re-formation hatte den volkstümlichen Frömmigkeitsbrauch nicht auslöschenkönnen; er hatte Jahrhundert um Jahrhundert weitergelebt.
Das war ein sprechendes Beispiel für die Stärke der Volksfrömmig-keit. Bis in unsere eigene Zeit hinein gab es mittelalterliche Relikte imFrömmigkeitsleben, und Pleijel sollte in seinen weiteren Forschungen nochmanches Beispiel nennen.
Wie war er selbst dazu gekommen, sich für die Praxis der volkstümli-chen Frömmigkeit zu interessieren? In seinem Unterricht betonte Pleijel,wie wichtig es sei, die Umwelt zu kennen, in der eine Person aufgewachsenist, um ein vollständiges Verständnis für ihr späteres Lebenswerk aufbrin-gen zu können. Das gilt zweifellos auch für ihn selbst. Er war Pfarrersohnaus Lenhovda in Värend und hatte seit frühester Kindheit einen gutenEinblick in die Bedeutung von Kirche und Pfarrhaus im Leben der Dorf-bewohner erhalten. Später sollte er diese alte Pfarrhauskultur schildern,die ihn selbst in so hohem Grade geprägt hatte.
Als Student in Lund beschäftigte er sich zunächst mit klassischen Spra-chen und legte ein philosophisches Magisterexamen ab. Von seinem au-Berordentlich bewunderten Lehrer in klassischer Altertumswissenschaft,