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Volksfrömmigkeit : Referate der Österreichischen Volkskundetagung 1989 in Graz
Entstehung
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Volksfrömmigkeit ohne Frömmigkeit

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sich Wasser aus Amorsbrunn als Heilmittel gegen ausbleibenden Kinder-segen zusenden ließen? Denn Elisabeth, die Gemahlin Karls VI., bedientesich des Wassers mit Erfolg, ihre Tochter forderte es auf Ratschlag desBeichtvaters an³, und Ignatius Gropp berichtete, daß auch Ihro jetzt re-gierende Majestät die kayserin gegen den H. Amor Ihre Andacht bezeigthaben". Daß die neue Vernunft der Aufklärung die überraschenden Heil-erfolge dem sehr irdischen Wirken eines in der Nähe der Quelle hausendenEremiten und dem dichten Gebüsch bei der Quelle zuschrieb 10, konnteangesichts der geographischen Distanz zwischen Amorsbrunn und Wienkeine Rolle spielen.

DIE UNEINIGKEIT DER FORSCHER, ODER:FRÖMMIGKEIT IM WIDERSPRUCH

Das Beispiel Amorsbrunn hinterläßt Ratlosigkeit. Zum einen können we-der die Dinge und Handlungen, auf die sich der Begriff, Volksfrömmig-keit" bezieht, per se fromm" sein; vielmehr gerieten sie den Reformatorensogar zu Abgöttern und Götzenbildern", zu Resten des papistischenHeidentums Glossar ::: zum Glossareintrag Heidentums, wie es etwa der protestantische Bischof Erik Pontoppidan( 1698-1764) bereits im Titelblatt seiner Schrift ,, Fejekost" formulierte¹¹.Zum anderen verhindert die Beteiligung der politischen und intellektuel-len Elite an ,, volksfrommen" Kulten, sei es in Form gezielter Steuerungwie etwa beim Loreto- Kult 12, sei es in Form der persönlichen Teilnahme,eine sozio- ökonomische Definition von ,, Volk".

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Gottfried Lammert, Volksmedizin und volksmedizinischer Aberglaube in Bayernund angrenzenden Bezirken, begründet auf die Geschichte der Medizin und Cul-tur. Würzburg 1869, S. 25.

9 Ignatius Gropp, Das Leben und Wunderthaten deß heil. Amor Vielmögenden Pa-tronens in verschiedenen Kranckheiten[...]. o.O.[ Mainz?] o.J.[ 1734], fol. 513";s. Dieter Harmening, Fränkische Mirakelbücher. Quellen und Untersuchungen zurhistorischen Volkskunde und Geschichte der Volksfrömmigkeit. In: Würzburger Di-özesangeschichtsblätter 28( 1966), S. 25-240, hier S. 115.

10 S. Harmening( wie Anm. 9), S. 115.

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Erik Pontoppidan, Fejekost til at udfeje den gamle surdejg eller de i de danske landetiloversblevne og her for dagen bragte levninger af saavel hedenskab som papisme,1736. Oversat og forsynet med indledning af Jørgen Olrik( Danmarks FolkeminderNr. 27). København 1923.

12 Vgl. hierzu Franz Matsche, Gegenreformatorische Architekturpolitik. Casa- Santa-Kopien und Habsburger Loreto- Kult nach 1620. In: Jahrbuch für Volkskunde N.F. 1( 1978), S. 81–118.