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Als die Welt nach Wien und Soja nach Europa kam : 27.06.2023 - 08.10.2023
Entstehung
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Vitrine 1( Gartenseite)

Von Soja bis Bauernhaus:Wettbewerb und Belehrung,Wien 1873| Magdalena Puchberger

Die fünfte Weltausstellung wurde 1873 inder Hauptstadt Wien ausgerichtet. Wienwar das administrative, gesellschaftliche,wissenschaftliche und kulturelle Zentrumder österreich- ungarischen Monarchie. DasAusstellungsgelände befand sich im WienerPrater, die baulich größte Attraktion war dieRotunde, die sich angeblich in Bezug auf ihreAnmutung und Modernität mit dem PariserEiffelturm messen konnte. Auf dem Geländepräsentierten die verschiedenen Nationenvor dem Hintergrund der industriellenRevolution und eines unerschütterlichenFortschrittsglaubens ihre dementsprechen-den Leistungen, ihren Innovationswillenund ihre Schaffenskraft. Neben Industrieund Kunst rückte in Wien die Landwirtschaftals maßgeblicher Faktor im, Wettkampfder Länder" in den Fokus. BesonderesInteresse an deren Präsentation hatte derPflanzenbauexperte und Rektor der 1872 neugegründeten Hochschule für Bodenkulturin Wien, Friedrich Haberlandt( 1826-1878).Die Hochschule, deren erster Standort dasGartenpalais Schönborn( heute Sitz desVolkskundemuseum Wien) war, sollte alsinstitutionelle Manifestation der Zentrali-sierung der Landwirtschaft und der mit ihrverbundenen Wissens- und Wissenschafts-zweige agrikulturelle Reformen anstoßen.

Auch wenn sich die Landwirtschaft,samt Produzierenden und Produkten, amAusstellungsgelände- wie die Wiener Land-wirthschaftliche Zeitung 1873 feststellte-mit ,, einfachen Holzgebäuden begnügen"

musste, während der Industrie ein ,, impo-nirender Palast" und der Kunst ein, Pracht-bau" gewidmet waren, bestand doch in denerneuerungswilligen Kreisen die Hoffnung,dass sich durch Anschauung und internati-onalen Vergleich entscheidende pädagogi-sche Schritte in Richtung Verbesserung" derLebens- und Arbeitsweisen in landwirtschaft-lichen Kontexten ergeben würden.

Friedrich Haberlandt war der Vatereines der Gründer des Volkskundemuseumsund er ,, entdeckte" auf der Wiener Weltaus-stellung Sojabohnen in den Abteilungen derLänder China und Japan. Auf Ostasien lag indiesen Jahren- aufgrund neuer Handelswe-ge( Suezkanal) und neuer Transporttechno-logien( Dampfschifffahrt)- ein besonderesAugenmerkt und beflügelte das Interessefür diese Länder und ihre Produkte in unter-schiedlichen Bereichen wie etwa der Kunstoder eben der Landwirtschaft. Der Nährwert,die Anpassungsfähigkeit der Sojapflanze undder Geschmack waren, so befand Haber-landt, dazu angetan, nicht nur einen Wettbe-werbsvorteil für die österreich- ungarischenAnbauenden zu erzielen, sondern Soja undSojaprodukte vor allem effizient als Mittelin der Volksernährung" und in Krisenzeiten( geprägt durch Kriege und Hunger) einsetzenzu können. Die Anbauversuche am Geländeder Hochschule im Gartenpalais Schönbornerfuhren jedoch mit Haberlandts überra-schendem Tod 1878 ein jähes Ende.

Nicht nur Friedrich Haberlandt warauf dem Ausstellungsgelände unterwegsund widmete sich seinen professionellenInteressen. Sein Sohn Gottlieb Haberlandt( 1854-1945) berichtete in seinen Lebenserin-nerungen, dass die gesamte Familie immerwieder das Ausstellungsgelände besuchte.Besondere Aufmerksamkeit widmeten die