Druckschrift 
Die Teufellitteratur des XVI. Jahrhunderts
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

22

OSBORN

betörter, sondern ein schlechter Mensch; die Darstellung derLasterhaften als Narren erschien den Strenggläubigsten vielleichtgar als ein Frevel. Der schreckliche altböse Feind, mit demjeder einzelne den furchtbaren Lebenskampf um die Seligkeitzu kämpfen hatte, trat für sie mehr in den Vordergrund, undvon dem alles Schlechte in sich zusammenfassenden Urteufellösten sie nach den vorhandenen Mustern der früheren Litteraturals Repräsentanten der menschlichen Laster, üblen Gewohnheitenund Torheiten einzelne bestimmte Spezialteufel ab, welche vonden Spezialnarren das Namenregister mit den entsprechendenÄnderungen übernahmen, bald neben diesen als mächtigeBewerber um die Gunst des lesenden grossen Publikums auf-traten und sie schliesslich arg in den Hintergrund drängten.

Luther selbst ging hier nicht gerade voran, aber er wiesdoch den Weg 1). Nach seiner Auffassung hatte der Teufel eingewaltiges Kaisertum( Erl. Ausg. 19, 272 ff.), unter ihm standenzahlreiche mächtige Fürsten und Potentaten, und jeder vondiesen hatte wiederum einen Haufen Teufel unter sich als seinHofgesinde. Er trennte dabei von den ,, höheren Geistern,die anfechten mit Unglauben, mit Verzweiflung, mit Ketzereien",,, geringe Teufel, die mit Hurerei, Geiz, Ehre und anderemdergleichen anfechten"( E. A. 6, 406). So fasst er das BuchTobias als ein Drama auf, in dem Asmodeus als Hausteufel,, alles hindert und verderbt"( E. A. 63, 109 Vorrede zumTobias). Er sieht in den Herzen der ,, Schwermer", die seineAbendmahlslehre verwarfen, ohne doch ihre Irrtümer beweisenzu können, den ,, Schewteufel, der so fleucht und fladdert,dass er nicht richtig antworten will"( 30, 163). Er glaubt,die Wiedertäufer mit ihrer Lehre von der Nützlichkeit derguten Werke hätten einen Werkteufel bey jnen"); erkommt bei einer Vergleichung der beiden Teufelsmächte aufErden, d. h. des Papstes und des ,, Mahmet" zu dem Resultat,

99

1) siehe auch J. Franck ADB. 12, 534 ff.( Hocker).

2)... Der giebt glauben für vnd meinet doch das werck vndfüret mit dem namen vnd schein des glaubens die armen Leut aufftrawen der Werck". Brief an zwei Pfarrherrn von der Wiedertaufe. 1528.