Einleitung.
§ 1. Begriff.
Die Stenographie ist nach Gabelsbergers System dieKunst, mittelst einfacher, flüchtiger und verbindungs-fähiger Schriftzeichen, sowie durch möglichst gedrängteAndeutung der Worte und Sätze die Rede eines andernoder die eigenen Gedanken in kürzester Zeit und mit möglichsterRaumersparnis so niederzuschreiben, dass das Geschriebene zujeder Zeit und von jedem in diesem Systeme Unterrichteten mitderselben Sicherheit und Fertigkeit wie gewöhnliche Kurrent-oder Druckschrift gelesen werden kann. Ausser dieser ihrer ur-sprünglichen Aufgabe hat sie heutzutage aber auch noch dengrossen Anforderungen des Geschäfts- und Verkehrslebensgerecht zu werden.
Anm. Der Name Stenographie ist entstanden aus den griechischenWörtern orevós( stenos)= eng, und yoάope( graphein)= schreiben.Gabelsberger gebrauchte dafür auch die Bezeichnung Rede-zeichenkunst, und zwar deshalb, weil vorzugsweise in seinemSystem die Schrift gewissermassen zum lebendigen und treuen Bildedes sprachlichen Ausdrucks wird. Auf diese Bezeichnung hat dieGabelsbergersche Stenographie auch dadurch den vollgültigsten An-spruch, dass sie, obwohl zunächst für die deutsche Sprache berechnetund deren Wortbildung und Satzbau angepasst, dennoch bereits viel-fach die Allgemeinheit ihrer Anwendung bewährte, indem sie bisjetzt auf 27 fremde Sprachen übertragen und durch die glän-zendsten Erfolge in mehr als 68 parlamentarischen Ver-sammlungen gekrönt wurde. Das Gab. System ist in Bayern,Sachsen, Württemberg, Baden, Oldenburg, Sachsen-Weimar- Eisenach, Sachsen- Gotha, Sachsen- Koburg undin Österreich- Ungarn als wahlfreier Unterrichtsgegenstand inden Mittelschulen eingeführt und wird an nahezu 2500 Anstaltengelehrt. Ferner sorgen 2181 Vereine mit ungefähr 93000 ordentl.Mitgliedern für die Verbreitung desselben in den weitesten Kreisen.Es ist somit begreiflich, dass das Gab. System in Deutschland diegrösste Verbreitung gefunden hat. So z. B. wurden im vorigen Jahre145573 Personen im Gab. System unterrichtet.
Lehrbuch der Stenographie, Preisschrift.
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