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Erb.gut? : kulturelles Erbe in Wissenschaft und Gesellschaft ; Referate der 25. Österreichischen Volkskundetagung vom 14. - 17.11.2007 in Innsbruck
Entstehung
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Die ,, Kinder- und Hausmärchen" der Brüder Grimm

gen für die spätere ,, Verheimatung" der Grimmschen Märchen gelegt. Und schließlich habendie zahlreichen Herkunftsverweise im Grimmschen Kommentar zu den mündlichen Quellenihrer Märchen wie z.B. Aus Kassel", Aus Zwehrn", Aus den Maingegenden, Mündlichaus Hessen", Aus dem Paderbörnischen" oder Aus dem Münsterland" die Vorstellung voneiner genuin deutschen Märchentradition unterstützt und genährt.

So kommt es, daß heute der Begriff des Märchens in aller Welt zuerst mit den, Kinder-und Hausmärchen" verbunden wird und im Bereich der romanischen Märchenüberlieferungvon Charles Perrault in Frankreich einmal abgesehen die Brüder Grimm z.B. ihre gro-Ben europäischen Vorläufer Straparola und Basile fast völlig verdrängt haben. Fragt man z.B.in einer italienischen Buchhandlung nach dem Märchen von Cenerentola, das sowohl beiStraparola als auch bei Basile seit dem 16. und 17. Jahrhundert wiederholt gedruckt wurde,so erhält man stets nur das Grimmsche Aschenputtel", während die italienischen Texte al-lenfalls antiquarisch zu beschaffen sind. Und besucht man gar eine Buchhandlung in Tokyooder Osaka mit der Frage nach dowa" oder meruchen"( jap.: Märchen), so wird man nebenunzähligen Einzelausgaben auf inzwischen fünf miteinander konkurrierende und gleichzeitigauf dem Markt vorhandene Gesamtausgaben der Grimmschen Märchen verwiesen."

Der Grund für dieses Phänomen der weltweit dominanten Rezeption der GrimmschenMärchen liegt neben der dieser Sammlung eigenen herausragenden inhaltlichen und poeti-schen Qualität auch in der schon zu Lebzeiten von Jacob und Wilhelm Grimm einsetzendenVerheimatung der Kinder- und Hausmärchen" in Hessen und Deutschland. Dies sei nach-folgend an verschiedenen Aspekten konkret aufgezeigt.

Die biographische Verheimatung

In der Darstellung der Entstehung der Kinder- und Hausmärchen" entwickelt sich schonfrüh das Stereotyp der märchensammelnd über Land ziehenden Grimm- Brüder, die ihreTexte bei armen, alten und ungebildeten Menschen in Bauernkaten und auf Spinnstubenaufgespürt hätten. In einem mit Los Hermanos Grimm" betitelten Artikel in der zu Madriderscheinenden Zeitschrift El Tiempo" heißt es 1846 beispielsweise:[ Die Brüder Grimm]wollen die alten Märchen des Landes aufsammeln; sie wollen zu Fuß durchs ganze Land ge-hen; sie wollen die alten Weisheiten der Völker retten: das Rheinufer entlang, durch Hessen,im dunklen Schwarzwald, in Böhmen und in der Pfalz. Sie[...] machen sich samt Stock aufden Weg, Sie genießen das ruhige Wandern durch Tal und Land, übernachten bei einfachenLeuten und sammeln Geschichten auf Bauernhöfen, in Bergwerken und am Seeufer..."Dieses verquere Bild kehrt bis heute in vielfältig modifizierter Form immer wieder und wurdezuletzt von Terry Gilliam in seinem zwar aufwendig produzierten, aber inhaltlich völlig dasThema verfehlenden Film The Brothers Grimm"( 2005) noch gesteigert; bei Terry Gilliamerscheinen die Brüder Grimm als Betrüger und Scharlatane, die zwar märchensammelnd über

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Leider existiert bis heute keine historisch- kritische Ausgabe der Grimmschen Märchen; die bedeutendstenkritisch- kommentierten Ausgaben nach dem Text der Ausgabe letzter Hand von 1857 sind die dreibändigeAusgabe von Heinz Rölleke( Stuttgart: Reclam, 1980; bis heute zahlreiche( teils erweiterte) Folgeausgaben)sowie die vierbändige Ausgabe von Hans- Jörg Uther( München. Diederichs, 1996). Die meistenfremdsprachigen Übersetzungen gehen von der Ausgabe letzter Hand von 1857 aus, behandeln ihreVorlage jedoch häufig recht frei.

Zit. nach Carol Tylly: Zur Rezeption der Brüder Grimm in Spanien im 19. Jahrhundert. In: Jahrbuch derBrüder Grimm- Gesellschaft 8, 1998, S. 59-77, hier S. 64.

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