ein alt überliertes approbiertes kulturelles Erbe beruft.47 Aber immer häufiger finden sich auchneue Umgangsweisen mit diesem Erbe und offenere semantische Belegungen von„ nationalerKultur" und„, nationaler Identität“.
So stehen auch, um es mit Aleida Assmanns Begrifflichkeiten auszudrücken, der abstraktenSynthese einer Geschichte im Singular[...] heute die vielen unterschiedlichen, z.T. einanderwiderstreitenden Gedächtnisse gegenüber, die ihr Recht auf gesellschaftliche Anerkennunggeltend machen. Niemand wird leugnen, dass diese Gedächtnisse mit ihren je eigenen Erfah-rungen und Ansprüchen zu einem umkämpften, vitalen Teil der Gegenwartskultur gewordensind." 48 Nochmals in anderen Worten: Es gibt also weder die eine Erbengemeinschaft, nochdas eine Erbe, sondern spezifische Akteursgruppen, Erbpolitiken und-auseinandersetzungen,die je nach Kontext diesseits oder jenseits des Nationastaates, entlang regionaler( Ost/ West),milieuspezifischer und sogar ethnischer Linien( Einheimische und Zuwanderer) oder auchquer dazu geführt werden. Diese situativen, kontextspezifischen Aushandlungsprozesse, die,, Erb- Streits", zu beobachten und zu analysieren, erscheint als eine wichtige europäisch- eth-nologische Forschungsaufgabe und überdies als ein geeigneter Fokus auf die sich wandelnden,pluraler werdenden Identitätskonstruktionen im gegenwärtig sich entwickelnden europäi-schem Raum.
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Weiterführende Untersuchungen würden überdies erbringen, dass der Umgang mit dem„ nationalen"kulturellen Erbe in Mittel- und Nordeuropa sich dadurch auszeichnet, dass er vergleichsweise entspannt istund vielerorts spielerisch die Trivialitäten des Alltags einbezieht. In den osteuropäischen postsozialistischenLändern scheinen dagegen gerade auch wegen der zum Teil erbitterten geschichtspolitischenAuseinandersetzung, die um die Integration der partikularen Gruppengedächtnisse und Erinnerungen anden Sozialismus geführt werden, Tendenzen eines ernsteren Berufens auf das viel ältere ,, nationale Erbe",das vom Sozialismus nicht ,, verunreinigt" ist, auf dem Vormarsch zu sein. Die öffentliche Inszenierung langezurück reichender Stoffe und Legenden dient der politischen Legitimation und nationalen„ Erneuerung".Siehe Götz 2007( wie Anm. 30).
48 Aleida Assmann: Erinnerungsräume- Formen und Wandlungen des kulturellen Gedächtnisses. München1999, 15 f.
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