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Erb.gut? : kulturelles Erbe in Wissenschaft und Gesellschaft ; Referate der 25. Österreichischen Volkskundetagung vom 14. - 17.11.2007 in Innsbruck
Entstehung
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Irene Götz

vermittelten Nachkriegs- Ikonen aus Politik und Alltag ließen sich die Überlegenheit des west-lich- kapitalistischen Staats- und Wirtschaftsmodells gegenüber der hier weniger repräsentier-ten DDR- Nachkriegsgeschichte demonstrieren und im übrigen auch dem dunklen Grün-dungsmythos Auschwitz ein Erfolgsmodell des Wirtschaftswunder- und Verfassungs- Staates,eine helle Gründungsgeschichte, entgegen stellen: Demokratie und Freiheit, symbolisiert inder Verfassung. Deutschland benötigte in den 1990er Jahren, gerade um sich in Europa nachder ,, Wiedervereinigung als verläßlicher demokratischer Staat zu positionieren, einen solchenpassenden Gründungsmythos, der das Land an die Seite der anderen westlichen Nationenstellt. In den medialen Inszenierungen des in allen Tageszeitungen mit Sonderbeilagen undeigenen Serien gefeierten Jubiläums, 50 Jahre Bundesrepublik" war entsprechend der vonden Eliten viel beschworene Verfassungspatriotismus als die von den Eliten propagiertespätmoderne Form, nationale Zugehörigkeit und Verantwortung zu empfinden, die zu popu-larisierende Leitidee.30

Die viel beschriebene Ostalgia" 31, die Honecker- Parties der letzten Jahre, das neu eröffneteästhetizistische und damit, so die öffentliche Kritik, beschönigende" Alltagskultur- Museali-sierungsprojekt des neuen DDR- Museums in Berlin, oder Spielfilme wie Go, Trabbi, Go",,, Sonnenallee und Good bye Lenin" sind solche Formen, mit deren Hilfe im, wie der Ostenoft monierte, hegemonialen Geschichtsdiskurs unterdrückte Motive nachgestellt werden. Essind die alltäglichen subjektiven Erinnerungen an ein untergegangenes kleines Land", diehier neben und trotz Staasiknast und Mauer inszeniert werden, und zwar mit oft tragischerKomik, humoristisch und melancholisch zugleich, als Anker für die eigene Erinnerung undSelbstverortung und dabei auch breitenwirksam für das kollektive Gedächtnis. 32

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Erbe auf dem Prüfstand: Kontext Einwanderung

Ein weiterer Kontext, in dem ein kulturelles Erbe" in den letzten Jahren genauer auf demPrüfstand steht, ist die Einwanderung. Welches Erbe sollen, müssen und können Einwan-derer teilen? Wie, so fragen Geschichtsdidaktiker und Bildungsforscher, können und sollenEinwanderer gerade mit dem Holocaust als nationalem Erbe umgehen lernen? 33 Läßt sichVerantwortung in einer modernen Zivilgesellschaft nicht ohnehin nicht entlang ethnischerSiehe ausführlicher zu diesem identitätspolitisch relevanten Ereigniskomplex Irene Götz: RegionaleForschung in transnationaler Perspektive. Anmerkungen zum Erkenntnispotenzial ethnographischer,, Ost"-/ West- ,, Studien. In: Sächsisches Jahrbuch für Volkskunde, Bd. 19, 2007, 157-175.Thomas Ahbe: Ostalgie. Erfurt 2005. ,, Ostalgie" ist demnach einerseits ein Laien- Diskurs, der sich gegenein hegemoniales Geschichtsbild, das die DDR als verbrecherische Diktatur" und marode Wirtschaft"beschreibt, richtet, andererseits ein kommerzielles Konzept der Vermarktung von ,, Ost- Identität". Das neueDDR Museum an der Spreepromenade in Berlin- Mitte( www.ddr-museum.de) produziert ein DDR- Bild, dassich aus beiden Aspekten zusammensetzt, ergänzt durch Bezüge zu Unrecht und Überwachung.32 Wolfgang Becker: Good bye Lenin", Produktion: Stefan Arndt, Katja de Bock, Andreas Schreitmüller,Regie: Wolgang Becker. Produktionsfirma: X- Filme Creative Pool, WDR, arte, Deutschland 2003, 121min. Leander Haußmann: Sonnenallee". Produktion: Claus Boje& Detlev Buck, Regie: LeanderHaußmann, Produktionsfirma: Boje Buck Produktion, Deutschland 1999, 101 min.- Florian Henkel vonDonnersmarck: Das Leben der Anderen", Produktion Quirin Berg& Max Wiedemann, Regie: FlorianHenkel von Donnersmarck, Produktionsfirma: BR, Creado Film, Wiedemann& Berg Filmproduktion, arte,Deutschland 2006, 137 min.- Peter Timm: ,, Go, Trabi, Go". Produktion: Reinhard Koos, Regie: Peter Timm,Produktionsfoirma: Bavaria Film, BR, SR, Deutschland 1991, 90 min.

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Siehe z.B. Bernd Fechler, Gottried Köẞler, Till Liebertz( Hg.): Erziehung nach Auschwitz in der multikulturellenGesellschaft. Pädagogische und soziologische Annäherungen. Weinheim, München 2000.

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