Kulturelle Materialität
Gestaltwandel samt SinnwandelDiese drei letzten Beispiele zeigen freilich auch, daß- trotz großer formaler Kontinuität undAuthentizität gewisse Umwandlungen der Gestalt erforderlich sind, wenn der Sinn sichwandelt. Der neue Kultus( um es so zu sagen) der griechischen Orthodoxie, der Kletterhalle,des Bordells erzwingen- in Maßen wenigstens- auch neue materielle Formen, der gewandel-te kulturelle Sinn verlangt anderen sinnlichen Ausdruck, oder: Die gewandelte Form verweist
Abb. 10: Schwerter zu Pflugscharen umgeschmiedet.Aufkleber zum Gebrauch in der westdeutschen
Friedensbewegung, 1983/84.
SCHWERTER
ZU
PFLUGS
Micha 4
Abb. 11: Stahlhelm zu Jaucheschöpferumgeschmiedet, 1945/48.
auf andere Bedeutung. Das ist die vielleicht gewöhnlichste Konstellation: Gestaltwandel samtSinnwandel- wobei wohl das Bedürfnis( natürlich als gesellschaftlich- kulturelles Bedürfnis,als neue kulturelle Stimmung) nach neuen Werten vorangeht und dann den neuen Ausdruckmitzieht.
Als erstes Beispiel wähle ich aktuelle Pläne für Hinzufügungen- also für moderne Erweite-rungen eines definierten und längst unter Schutz gestellten kulturellen Ensembles. Ein Kon-fliktfall dieser Art ist der Plan, in die, Weltkulturerbe'- Landschaft des Elbtals bei Dresden eineneue Brücke zu bauen; doch auch in der Weltkulturerbe'- Landschaft des mittleren Rheinsbricht immer wieder einmal die Diskussion um eine neue Brücke auf.
Es wäre ein leichtes, andere Fälle anzuführen; ich aber eile weiter und zitiere einige Beispie-le von erheblicher, ja totaler Umarbeitung und Umgestaltung des Materials und damit auchder Bedeutung. Bekannt sind die zahlreichen Umgüsse, also Metamorphosen von Kirchen-glocken in Kanonen und von solchen Kanonen vielleicht wieder in Siegesdenkmäler, undhier in Tirol darf man an Bergkreuze erinnern, die nach dem Zweiten Weltkrieg aus Kriegs-waffenschrott montiert worden sind.22 Das bekannteste Bild für solche Verwandlung ist dank
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Der Einfachheit halber verweise ich auf die einschlägigen Abschnitte in Martin Scharfe: Menschenwerk.Erkundungen über Kultur. Köln, Weimar, Wien 2002, S. 278-283( mit Nachweisen und Ergänzungen S. 370);Wilhelm Eppacher: Berg- und Gipfelkreuze in Tirol. Innsbruck 1957, S. 33( Bettelwurf im Karwendel), 83( Wilde Kreuzspitze in der Gegend von Brixen), 91( Fensterlekofel im Pustertal).
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