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Erb.gut? : kulturelles Erbe in Wissenschaft und Gesellschaft ; Referate der 25. Österreichischen Volkskundetagung vom 14. - 17.11.2007 in Innsbruck
Entstehung
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Kulturelle Materialität

machen will. Das gilt auch für das Berliner Stadtschloß, das wieder aufgebaut werden soll, weildie DDR- Regierung seinerzeit das bombengeschädigte Bauwerk zerstört und den, Palast derRepublik' an seine Stelle gesetzt hat- der nun seinerseits wieder abgerissen werden, muß', weiler, wie alle voll Abscheu sagen( wie wenn es sonst nichts zu sagen gäbe!) ,, asbestverseucht' ist.

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ZERSTÖRT21 MARZ 1945

REKONSTRUIERT1984-1985

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Abb. 8 a und b: Ein Teil der Fensterfassade des Wedekindhauses am HildesheimerMarktplatz a) vor der Zerstörung 1945 und b) als rekonstruierte blinde Attrappe der1980er Jahre.

Zumindest eines also gehört zum invertierten Sinn solcher Repliken: die kulturelle Lüge.Das zeigt schon ein sehr viel harmloseres Beispiel, das ich als nächstes wähle: die jüngereGeschichte des Hildesheimer Rathausplatzes. Die ehrwürdigen Häuser- wie etwa das We-dekindhaus- waren im Krieg zerstört worden; die Fünfziger führten sie im Betonstil ihrerModerne wieder auf, durchaus mit historischen Reminiszenzen; unsere achtziger Jahre aberertrugen das nicht mehr und klebten Fassaden vor das Sparkassengebäude- Fassaden, dieHistorie deklamieren. 15 Doch durch die Fenster, die zum Sehen gedacht waren, kann mannicht mehr sehen: Inversion, radikaler Austausch des Sinnes( um's nicht ins Moralische zuwenden und, Lüge' zu sagen!).( Abb. 8 a und b)

Doch nicht nur bei solch aufwendigen Bauwerken läßt sich die Inversion beobachten: auchbei viel flüchtigeren kulturellen Objektivationen( etwa bei Bräuchen) scheint sie eine erhebli-che Rolle zu spielen- man denke nur an die bis ins 20. Jahrhundert herein in ländlichen Ge-bieten Europas als so lästig empfundenen Bettelbräuche der Winter- und Weihnachtszeit, dieman in Schenk- Bräuche umzuwandeln verstand und damit hausfein machte. Ja man wird sa-gen dürfen: Wenn ein Brauch trotz sich ändernder Zeiten und Bedürfnisse überlebt, verdankter das seinen Inversionen, also Sinn- Anpassungen. Vermutlich hätte es den verdienstvollenHerausgebern der Festschrift für Hans Moser geholfen( sie ließen das Problem kulturellerKontinuität erörtern) 16, wenn man ihnen die These zugeflüstert hätte: Äußere Kontinuität isterkauft mit innerer Diskontinuität.

15 Vgl. Werner Schmidt: Der Hildesheimer Marktplatz seit 1945. Zwischen Expertenkultur und Bürgersinn.Hildesheim 1990.

16 Vgl. Hermann Bausinger, Wolfgang Brückner( Hg.): Kontinuität? Geschichtlichkeit und Dauer alsvolkskundliches Problem. Berlin 1969.

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