Leopold Kretzenbacher bezeichnet die Festschrift im Rückblick als„ garnicht leicht durchzusetzendes, schwer genug finanziertes, umfangrei-ches Buch." 700 Die Mehrzahl der Beiträge werden zu den Themen„ Haus-forschung",„ Volksdichtung“,„ Arbeit und Gerät“,„ Volkskunst“,„ Sitte undBrauch" sowie„ Volksglaube“ verfasst. Aber auch die Lokal- und Territo-rial- und Fachgeschichte sowie der Volkstanz sind thematisch vertreten.Ein Beitrag zur Trachtenforschung fehlt. Unter den Beitragsautor( inn) ensind u. a. auch Leopold Schmidt(„ Zur Wiener Redensartenforschung" 701)und Richard Wolfram(„ Die Volkstanznachrichten in den Statistischen Er-hebungen Erzherzog Johanns" 702) sowie Hanns Koren(„ Vorstufen des, heimatlichen Bauens“ 703) und Leopold Kretzenbacher(„ Jesuitendrama imVolksmund" 704) mit eigenen Artikeln vertreten.
Gerambs 65. Geburtstag wird am 24. März 1949 im„ Heimatsaal" des Volks-kundemuseums unter der Anwesenheit von Mitgliedern der Bundes- undLandesregierung, des Kuratoriums des Steiermärkischen Landesmuse-ums Joanneum, Kolleg( inn) en der Karl- Franzens- Universität sowie seinenMitarbeiter( inne) n„ in festlichster Weise gefeiert" 705. Zwischen den Anspra-chen des Landeshauptmannes, des Universitätsrektors, des Präsidentendes Kuratoriums des Joanneums sowie Hofrat Prälat Josef Steinbergersund Hanns Korens finden volksmusikalische Darbietungen statt. Bei dieserFeierstunde wird Geramb auch die Ernennung zum„ Hofrat" mitgeteilt.706Richard Wolfram sendet aus diesem Anlass am 23. März 1949 aus Bern ei-nen Brief an Geramb, der mit überschwänglichen, dem väterlichen Freundhuldigenden Dankes- und Lobeszeilen beginnt.707
Mit 31. Juli 1949 wird Geramb als Vorstand des Steirischen Volkskunde-museums pensioniert. Er wird bis zu seinem Tod als„ Kurator" des Volks-kundemuseums fungieren.708 Seine Nachfolge tritt, ganz nach seinen Wün-schen, sein Schüler, Kollege, Freund und„ Universalerbe" Hanns Koren an.Seinen Nachfolger( inne) n im Amt hinterlässt Geramb eine Art„ musealesTestament", das er mit„ Grundlsee, im September 1949" 709 datiert und indem er eine kurze, sehr persönlich gefärbte und anekdotische Geschichtedes Museums verpackt, bevor er etliche Ratschläge zur Weiterarbeit gibt.Geramb möchte dabei möglichen Vorwürfen sofort entgegentreten:„, Fassetdas um Himmelswillen nicht als Schulmeisterei oder Besserwisserei auf.Ich tue es wahrhaftig nur, um Euch und dem Museum noch einen Dienstzu erweisen.❝710 Er wird allerdings lebenslang, schon alleine durch seinennachbarschaftlichen Wohnort, sein„ Kind“, das Museum, beaufsichtigen.Nach den Worten Leopold Kretzenbachers muss Hans Koren tatsächlichum genügend berufliche Freiheit ringen, er wird von Geramb nicht immertaktvoll genug kontrolliert und empfindet schmerzlich,„ daß eben, der Hofnicht übergeben" 711 ist.
Bereits Ende der 1940- er Jahre wird Geramb gebeten, Österreich in
GERAMB LEBEN 95