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Viktor Geramb : 1884 - 1958 ; Leben und Werk
Entstehung
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kann. 438 Seiner schrankenlosen Begeisterung über das Gutachten Wolf-rams verleiht Geramb am 26. November 1944 breiten Ausdruck. 439 Aberauch dieses Positivgutachten führt bis zum Ende des Zweiten Weltkriegeszu keiner Neuauflage des Märchenbuches. Diese erfolgt erst 1946440. Ge-ramb äußert sich darüber sarkastisch am 24. April 1944 an Werner Ber-gengruen 441: Es ist doch so zeitgemäss: Mir verbietet man meine Bücher,und andere schreiben seitenweis daraus ab, darunter sogar Stellen, die anmeinem Verbot beteiligt sind" 442.

Andererseits nutzt Wolfram die Gelegenheit im zweiten Teil des Gutach-tens zu einer überzeugten und zielgerichteten Abrechnung mit Karl vonSpieẞ bzw. der Wiener Mondmythologischen Schule". Wolfram bereichertmit diesem Gutachten die Rivalität der beiden Machtblöcke der NS- Volks-kunde wieder um ein Element. Er erweist sich damit als konsequentes Mit-glied des Ahnenerbes" und der Wiener Much- Schule der Ritualisten"und liefert ein weiteres Lehrstück für die systematische Diskreditierung desKollegen wie auch Rivalen durch die Aberkennung der Wissenschaftlich-keit und der Nicht- Akzeptanz von dessen Erkenntnissen.

In tragikomische Verwicklungen mit dem Amt Rosenberg" gerät Gerambjedoch 1944, als er sich, bedingt durch die Expansions- und Okkupations-tendenzen des Amtes", plötzlich als dessen freier Mitarbeiter" ansehenmuss- mithin als freier Mitarbeiter eines Personenkreises, der als die trei-bende Kraft seiner Enthebung vermutet werden kann.

Den Hintergrund für diese Skurrilität liefert Gerambs Mitarbeit an der vonGustav Wolf443 innerhalb des Nationalsozialistischen Bundes deutscherTechnik" initiierten Buchreihe, Haus und Hof deutscher Bauern". DiesesProjekt sieht 12 bis 14 Einzelbände vor, die den verschiedenen Land-schaften gewidmet werden sollten" 444. Wolf lädt anlässlich eines Treffensim Herbst 1942 in Salzburg Geramb zur Mitarbeit ein- er soll den Band IX,, Steiermark und Kärnten übernehmen.445 Wolf bittet Gauleiter Uiberreither,Geramb mit der Arbeit zu beauftragen, und nach mehrmaliger Urgenz446findet diese Beauftragung vermutlich statt, da Geramb in der Folge tatsäch-lich mit seinen Arbeiten beginnt. Geramb hat einerseits, bedingt durch dieauferlegten Beschränkungen in seiner Berufstätigkeit, disponible Zeit undist andererseits vermutlich vom Gedanken geschmeichelt, nun als Fach-mann von einer ihm gewogenen NS- Gliederung geschätzt zu sein. Jeden-falls künden, wie Helmut Eberhart schreibt, zwei Mappen über Haus undHof deutscher Bauern von Gerambs Tätigkeiten in den Jahren 1943/44.Auch im privaten Tagebuch scheinen die Arbeit an Bauernhauslisten sowieGespräche in dieser Sache etc. immer wieder auf.

Am 12. April 1944 erhält Geramb einen Telefonanruf Karl Haidings( 1906–1985) 447, der Geramb zu einem Gespräch am 20. April über das Bauernhauswerk" ins Stift Rein lädt. Haiding war damals Leiter des

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