467 Kärtchen, auf denen Geramb seine Veröffentlichungen( zum großen Teil)erfasst hatte. Der Karton wurde zufällig im Haus gefunden, niemand hatte zu-vor etwas davon gewusst. Die Entdeckung war insofern bedeutsam, als sie esJohann Verhovsek ermöglichte, später im Zusammenhang mit dem erwähntenProjekt eine vollständige Bibliografie zu erstellen, die hier erstmals veröffent-licht wird und die mit etwa 730 Nummern nicht nur weit über die bisherigen Ver-suche, sondern auch über die von Geramb selbst erstellte Kartei hinausgeht.Die Bibliografie zeigt deutlich eine Gelehrtenpersönlichkeit, der es nicht genugwar, für die eigene Scientific Community zu schreiben, der es im Gegenteil dar-auf ankam, eine möglichst große Leserschaft zu erreichen. Geramb publiziertedaher insbesondere in der Ersten Republik in zahlreichen Zeitschriften und Zei-tungen, die zum Teil heute mehr oder weniger unbekannt sind, beziehungswei-se überhaupt nur mehr von einschlägigen Fachleuten wahrgenommen werden.Dies erschwerte zwar die Verifikation der Angaben auf den Karteikarten, ohnesie hätte jedoch eine vollständige Bibliografie niemals erstellt werden können.
Bei einem meiner Besuche in Gedersberg nahm mich Wilhelm Herzog zurSeite und vertraute mir wenige Jahre vor seinem Tod schließlich den bedeu-tendsten„ Schatz" des Familienarchivs an, die äußerst detailliert geschriebe-nen sogenannten„ Kriegstagebücher" Viktor Gerambs. Die mit umfangreichemDokumentationsmaterial( Fotos, Zeitungsausschnitte) ergänzten Aufzeichnun-gen stellen eine der wichtigsten Quellen zur Grazer Alltagsgeschichte im Nati-onalsozialismus dar. Diese Aufzeichnungen waren übrigens die einzige Quelle,die ich nicht uneingeschränkt verwenden durfte. Im Rahmen des bereits mehr-fach erwähnten Projektes konnte mit Zustimmung der Familie noch 1999 auchdieses einmalige Dokument erfasst und transkribiert werden; eine Veröffentli-chung ist für 2009 vorgesehen.
Wenn nun zur Wiederkehr des 50. Todestages Viktor Gerambs zwei jüngereFachvertreter eine Biobibliografie über ihn vorlegen, ist die symbolische Ebenedeutlich sichtbar: Es gilt letztendlich der Frage nachzugehen, welche Bedeu-tung er heute noch hat beziehungsweise haben kann( vor allem für die jünge-ren Fachvertreter). Meine Generation hat in ihrer Ausbildung noch Bezüge zuGeramb erfahren, die heute nur mehr im wissenschaftshistorischen Kontextvermittelt werden. Und gerade in diesem Kontext kann es auch für jüngereWissenschaftlerinnen spannend sein, sich mit Viktor Geramb zu befassen. Zu-nächst ist er ein frühes Beispiel für einen Kulturwissenschaftler, dem es nichtgenügt hat, für seine Kollegen zu schreiben, der vielmehr im wahrsten Sinne
GERAMB VORWORT 9