Druckschrift 
Kulturanalyse - Psychoanalyse - Sozialforschung : Positionen, Verbindungen und Perspektiven ; Beiträge der Tagung des Instituts für Europäische Ethnologie der Universität Wien, des Instituts für Volkskunde und Kulturanthropologie der Universität Graz und des Vereins für Volkskunde/Österreichisches Museum für Volkskunde in Wien vom 23. bis 25. November 2006
Entstehung
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Elisabeth Timm

ÖZV LXI/ 110

der darin skizzierten Möglichkeit des ,, Verstehens" als Methode derSozialforschung.11

Ebenfalls eine Verbindung von Ethnologie und Psychoanalyse unddabei ein einzigartiger Weg mit zahlreichen Feldforschungen in vie-len afrikanischen Staaten sowie in Brasilien ist Gerhard Kubik zuverdanken. 12 Im November 2006 hielten ihn zwar auch das Feld undseine musikalische und ethnologische Passion vom Symposion fern,seinen Beitrag ließ er jedoch von einem Kollegen( Stephan Steiner)vortragen und stellte ihn für diesen Band zur Verfügung. Während ineinigen aktuellen sozial- und kulturwissenschaftlichen Forschungenimmer wieder mit einem Spontanverständnis von ,, Ethnographie eintheorieferner Positivismus des Augenscheins zur Methode gemachtwird, zeigen Kubiks Arbeiten sowohl die Chance der von Freudentwickelten Technik der freien Assoziation von Kubik weiterentwickelt zum ,, floating"- als auch die Notwendigkeit eines Theo-riebezugs solcher Empirie.

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Die Europäische Ethnologie ist eine der Kulturwissenschaften, dieempirisch nicht nur mit schriftlichen Quellen oder materiellen Zeug-nissen arbeitet, sondern auch ethnographisch oder mit Methoden derqualitativen Sozialforschung. Daher ist für dieses Fach die psycho-analytische Information bedeutsam, dass jede Rede, jede Begegnungund jede Alltagspraxis nicht nur manifeste, sondern auch einen latenteInhalte hat, und dass diese geformt wie auch repräsentiert sein könnendurch die Dynamik der Beziehung, die sich im Forschungsprozessentwickelt. Wenn qualitative Methodik nicht einem naiven Positivis-mus verhaftet bleiben will, ist sie daher auf die Kenntnisnahme undReflexion von Übertragungen und Gegenübertragungen bei den

11 Florence Weiss' Beitrag konnten wir für diesen Band leider nicht erhalten. Zuihrer ethnopsychoanalytischen Arbeit u.a.: Die Beziehung als Kontext derDatengewinnung. Ethnopsychoanalytische Gesichtspunkte im Forschungs-prozess. In: Spuhler, Gregor u.a.( Hg.): Vielstimmiges Gedächtnis. Zürich 1994,S. 23-47; dies., Fritz Morgenthaler, Marco Morgenthaler: Gespräche am sterben-den Fluẞ. Ethnopsychoanalyse bei den Iatmul in Papua- Neuguinea. Frankfurt amMain 1994.

12 U.a.: Kubik, Gerhard: Africa and the Blues. Jackson 1999; ders.: Zur ontogene-tischen Basis der Inzestscheu. Ein kulturvergleichender Ansatz. Münster 2003;ders.: Totemismus. Ethnopsychologische Forschungsmaterialien und Interpreta-tionen aus Ost- und Zentralafrika. Münster 2004; ders., Moya Aliya Malamusi:Formulas of Defense: A Psychoanalytic Investigation in Southeast Africa. In:American Imago 59, 22( summer 2002), S. 171-196.