Druckschrift 
Kulturanalyse - Psychoanalyse - Sozialforschung : Positionen, Verbindungen und Perspektiven ; Beiträge der Tagung des Instituts für Europäische Ethnologie der Universität Wien, des Instituts für Volkskunde und Kulturanthropologie der Universität Graz und des Vereins für Volkskunde/Österreichisches Museum für Volkskunde in Wien vom 23. bis 25. November 2006
Entstehung
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2007, Heft 2-3

Begrüßung

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terte Verfechter einer ethnologischen Sexualforschung.4 Krauss wardes öfteren Gast bei den Mittwoch- Abenden der Wiener Psychoana-lytischen Vereinigung, man schätzte sich wechselseitig und propa-gierte die gegenseitige Ergänzung von Psychoanalyse und Folkloris-tik.

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Krauss fasste zwar nie wirklich Fuß im Wiener ,, Verein für Volks-kunde"- einer seiner heftigsten Gegenspieler, der Slawistik- Philolo-ge Vatroslav Jagić saß hier im Ausschuß aber immerhin wurdenseine Werke eine zeitlang durchaus positiv im Publikationsorgan desVereins, der Österreichischen Zeitschrift für Volkskunde, rezensiert.Krauss teilte- zeitlebens unfreiwillig auf die Rolle eines Privatge-lehrten und Publizisten reduziert das Schicksal vieler jüdischerIntellektueller, denen eine Universitätskarriere verwehrt blieb. Imengeren Umfeld des Museums gab es einen zweiten derartigen Fall,doch hier ermöglichten andere wirtschaftliche Verhältnisse die mehroder weniger freiwillige und privilegierte Position eines Privatgelehr-ten. Ich spreche von Rudolf Trebitsch, Sohn eines überaus wohlha-benden Wiener Seidenfabrikanten, promovierter Mediziner, der sei-nen studierten Beruf jedoch nie ausübte, sondern sich stattdessenebenfalls der damals aufstrebenden Ethnologie und der Sprachwis-senschaft zuwandte. Ihm verdankt das Museum bedeutende Samm-lungen aus Irland, der Bretagne und dem Baskenland, doch icherwähne ihn hier deshalb, weil auch er zu jenen gehörte, die dieVerbindungslinien von Psychologie und diesfalls der Volksmedizinund des Aberglaubens thematisierte. In einem großen Aufsatz in denschon genannten Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft( 1913), bezieht er sich wiederholt ,, auf die Schule Freuds, mit ihrerpsychoanalytischen Methode,[ die einen] Zusammenhang zwischenTraum und Mythos festzustellen sucht.5

Leopold Schmidt, Direktor dieses Hauses von 1946 bis 1977,gebührt das Verdienst, auf die Bedeutung dieser beiden Wissenschaft-

4 Zu F. S. Krauss siehe u.a. Warneken, Bernd Jürgen: Negative Assimilation. DerVolkskundler und Ethnologe Friedrich Salomo Krauss. In: Raphael, Freddy( Hg.): das Flüstern eines leisen Wehens..." Beiträge zu Kultur und Lebens-welt europäischer Juden. Konstanz 2001, S. 149–171.

5 Rudolf Trebitsch: Versuch einer Psychologie der Volksmedizin und des Aber-glaubens. Eine ethnologische Studie. In: Mitteilungen der AnthropologischenGesellschaft 43( 1913), S. 169-209. Für diesen Hinweis danke ich HerbertNikitsch herzlich.