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Der Weg als Ziel : ausgewählte Schriften zur Volkskunde (1975 - 2005) ; Festgabe zum fünfundsechzigsten Geburtstag
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Wallfahrt

Die Wallfahrt wird durch zwei Wesensmerkmale bestimmt:durch den Weg und den Ort

> 2000

Wallfahrt= Wege zur Kraft

Wie uns die Geschichte zeigt, gehört es zu den Urbedürfnissen des Menschen,Orte und Plätze aufzusuchen, an denen er sich den überirdischen Mächten näher fühlt.So stellt schon der Kirchenvater Augustinus( gest. 430) fest: Gott ist überall und wirddurch keinen Raum umschlossen oder begrenzt, wer kann aber seinen Plan durch-schauen, weshalb Wunder an dem einen Ort geschehen, an dem anderen aber nicht?"Diesem Mysterium liegt die Wallfahrt zugrunde. Dementsprechend definiert dasLexikon für Theologie und Kirche Wallfahrt als Aufsuchen bestimmter Kultstättenmit einem besonders dorthin gebundenen Kultobjekt im Sinn eines religiösen Aktesoder aufgrund eines frommen Verlöbnisses".

Die Anziehungskraft und Wirksamkeit eines Wallfahrtsortes entsteht aus derVerbindung des geheimnisvollen Ortes mit einem wundertätigen Kultgegenstand,dem Gnadenbild. Es sind das heilige Orte", an denen bereits vor der Entstehung derWallfahrt Steine, Quellen oder Bäume kultische Verehrung fanden. Hier sei an den Tafelstein von Maria Taferl erinnert, der vermutlich bereits den Kelten als Opfersteindiente, der jedoch mit der Entstehung der Wallfahrt in keinem ursächlichen Zusam-menhang steht. Diese geht vielmehr darauf zurück, daß ein Viehhirt namens ThomasPachmann die neben dem Tafelstein befindliche alte Eiche fällen wollte. Dabei glitt dasBeil ab und fuhr ihm in beide Beine. Erst in dem Moment entdeckte er das Kreuz aufdem Baum, und es wurde ihm bewußt, daß er für seinen Frevel bestraft worden war.Als er das Bild um Verzeihung bat, hörten die Wunden auf zu bluten. 1642 ließ derRichter von Kleinkrummnußbaum, Alexander Schinagl, anstelle des Kreuzes eine klei-ne Statue der schmerzhaften Mutter Gottes in den Baum setzen, worauf wenige Jahrespäter etliche Lichterscheinungen am Taferlberg wahrgenommen wurden. Gleichzeitigkam es zu wundersamen Heilungen, sodaß man sich 1660 zum Bau der Basilika ent-schloß, die heute zu den großartigsten Denkmalen in Niederösterreich zählt.

Ähnlich verhält es sich mit der Entstehung der Wallfahrt auf den Sonntagberg.Die weithin sichtbare Kirche wurde in den Jahren 1706 bis 1732 ebenfalls über einemwundertätigen Steinblock erbaut, von dem die Legende berichtet, daß ein Hirte, derbereits tagelang vergeblich nach seiner Herde gesuchte hatte, an diesem Stein die Hl.Dreifaltigkeit um Hilfe anrief. Ermattet schlief er ein und als er am Morgen erwachte,

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