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Der Weg als Ziel : ausgewählte Schriften zur Volkskunde (1975 - 2005) ; Festgabe zum fünfundsechzigsten Geburtstag
Entstehung
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DIE TRACHT DER KLEIDUNGBEMERKUNGEN ZUR DARSTELLUNG DER EUROPÄISCHEN NATIONEN AUF DER VÖLKERTAFEL"

Hang zur Vielfarbigkeit nachgesagt. 15 Auch die Kopfbedeckung dieser drei ist entwe-der ganz oder teilweise aus Fell. Zum Stereotyp des Russen gehört offensichtlich derlange Vollbart, während alle übrigen Nationsvertreter bartlos erscheinen. Der Türckoder Grich" ist sehr allgemein gehalten. Man erkennt aber den Turban und die breiteBauchbinde. Ob es sich beim Untergewand um eine Pluderhose oder um ein Hemdhandelt, läẞ sich nicht sagen. Beim, Türck oder Grich" stellt der Leopold- Stich jeden-falls eine Vorliebe für Weiber Glossar ::: zum Glossareintrag  Weiber Art" fest.

2. Auf der ,, Völkertafel"

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Im Gegensatz zur auffallenden Zweiteilung des Leopold- Stiches in eine west-liche und eine östliche Gruppe konstatiert Alois Eder, der sich am Beispiel des Poleneingehend mit der Völkertafel beschäftigte, eine drei Nationen umfassende Gruppewestlicher Nationen, eine vier bzw. fünf Nationen umfassende Gruppe nordöstlicherNationen und ein Mittelfeld um den Deutschen und Engländer. 16 Nach sprachlichenGesichtspunkten kann man die Nationen in romanische, germanische und mit Ab-strichen- in slawische Völker einteilen. Jedenfalls stellt Eder fest, daß sich besondersin der östlichen Gruppe ein deutliches West- Ost- Gefälle in der Wertschätzung bemerk-bar macht, von dem die Schweden und Polen noch kaum, die übrigen Nationen dieserGruppe jedoch sehr stark betroffen sind. Man könnte, so schreibt er, damit argu-mentieren, daß mit dem sukzessiveren Spärlichwerden der Information, je östlicherdas Volk siedelte, auch der Hang des Autors der Völkertafel zu einer systematischenAbschattierung wachsen mußte." 17 Es wird deutlich, daß es sich bei den westlichenNationen um zivilisierte Völker handelt, während man den östlichen offensichtlichnicht zutraut, ebenfalls mit der Mode zu gehen.

Auffallenderweise haben die Vertreter der romanischen wie auch der germa-nischen Länder auf der Völkertafel" die französische Mode abgelegt und erscheinennun wesentlich differenzierter, während die Balkangruppe in ihrem Habit weiterhinsehr stark jenem des Leopold- Stiches entspricht. Eine erste augenscheinliche Verände-rung betrifft die Haartracht. Die Allongeperücken sind allem Anschein zum Zeitpunktder Anfertigung des Ölbildes bereits passé. Der Franzose trägt das Haar im Nacken miteiner schwarzen Schleife zusammengebunden. Diese Haarmode, die sich in den 30erJahren des 18. Jahrhunderts durchzusetzen begann, dürfte ihren Ursprung beim Mili-tär haben. König Friedrich Wilhelm I. von Preußen( 1688-1740) ordnete nämlich an,daß die Haare in einem mit Bändern fest umwickelten Zopf zu tragen seien. Auf demUmweg über die Offizierstracht ging der Zopf schließlich in die Modetracht ein. Auchdas Stirn- und Seitenhaar der Männerperücke nahm im Laufe des 18. Jahrhunderts15 Über die Vielfärbigkeit der Ungarn weiß Otto Koenig eine mündlich überlieferte Anekdote zu berichten: Als Maria Theresia bei einer Besichtigung neu uniformierter Husarenregimenter sich über die Buntheit derTruppen verwunderte, erklärte ein ungarischer General:, Majestät, Husar muß bunt sein wie Stieglitz"". SieheKoenig, Otto: Kultur und Verhaltensforschung. Einführung in die Kulturethologie. München 1970, S. 44.16 Alois Eder( wie Anm. 14), S. 246.

17 Ebd.

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