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Der Weg als Ziel : ausgewählte Schriften zur Volkskunde (1975 - 2005) ; Festgabe zum fünfundsechzigsten Geburtstag
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KLEIDUNG, MODE, TRACHT

Entwicklung und Eigenart der Südtiroler Volkstracht

Eigenständige Volkstrachten mit ihren besonderen schichtengebundenen, kultur-geschichtlichen und landschaftstypischen Ausformungen sind in dem für die Volks-kundewissenschaft gut überschaubaren Zeitraum von der frühen Neuzeit bis an dieSchwelle der Gegenwart ein bedeutender Bestandteil des Volkslebens gewesen. Dasvon der bäuerlichen und bürgerlichen Bevölkerung zu Arbeit, Alltag und Fest ge-tragene herkömmliche Kleid hat Kultur und Tradition des Volkes mitbestimmt. Be-reits im späten 18. Jahrhundert haben die malerische Wirkung und die eigenartigenStilisierungen der Trachten der verschiedenen Völker und Stämme im alten Europadas Interesse der gebildeten Welt", der zeitgenössischen Reisenden und der frühenVolksforscher auf sich gezogen. Die Nationaltrachten" wurden als kennzeichnend fürein Land oder eine Gegend angesehen. Die spätere wissenschaftliche Volkskunde hatdarüber hinaus gelernt, den geschichtlichen Werdegang der Volkstrachten zu erken-nen. Beide Gesichtspunkte- die kulturräumlich- landschaftlichen Besonderheiten unddie kultur- und kleidergeschichtliche Entwicklung- bildeten den Leitgedanken bei derAuswahl von Gegenständen und Zeugnissen wie auch bei der schaumäßigen Darbie-tung der Volkstrachten aus Südtirol". Hinzu tritt der sozialgeschichtliche Aspekt, wieer sich in den beruflichen, rechtlich- sozialen und brauchmäßigen Besonderheiten derVolkstracht äußert: Er wird sichtbar beispielsweise im Arbeitskleid der Bauern, Hirten,Sennen und Jäger, in der merkwürdigen Ausstattung des Saltners", des bekanntenFeld- und Weinberghüters im südtirolischen Burggrafenamt und im Vinschgau, undauch in der Paradetracht der Passeier Schildhofbauern, im feiertäglichen weißen Man-tel der Bozner Bürger, die einen Besitz am Ritten haben, wie auch im festlichen Ge-pränge der bäuerlichen Brautleute etwa in Kastelruth oder im Grödnertal.

Wie es im Untertitel zur Sonderausstellung ausgeführt wird, soll dem Betrachterein dreifacher Zugang zur Kenntnis und zum Verständnis zu den Volkstrachten ausSüdtirol eröffnet werden. Alte Bildquellen", wie die Volkskunde sie in den Trachten-darstellungen auf den gemalten Votivtafeln aus den Wallfahrtskirchen und-kapellendes Landes, in den Bildnissen von Bauers- und Bürgersleuten und in den vor allemim späten 18. und im 19. Jahrhundert sehr beliebten Trachtengraphiken besitzt, ver-mögen die geschichtliche Dimension der Volkstracht zu erhellen. Sachzeugnisse",ganze Männer- und Frauentrachten an lebensgroßen Figurinen, einzelne Trachtenstü-cke und trachtliches Zubehör, wie sie in jahrzehntelanger Sammelarbeit aus Südtirolzustandegebracht worden sind, eröffnen Einsichten in die trachtliche Wirklichkeit der

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