Das Vierkanthof- Modell im Wiener VolkskundemuseumEine endliche Geschichte
> 1996
„ Sehr verehrter Herr Hofrat! Trotzdem einige sachkundige Mitglieder des Heimat-schutz- Vereins mit großer Ortskenntnis mir bei der Suche nach einem typisch ober-österr. Bauernhof behilflich waren, ist es erst jetzt gelungen, einen Bauernhof zufinden, bei dem die ursprünglich typische Anordnung der Räumlichkeiten nocherhalten blieb. Unter einem erlaube ich mir die von diesem Hof aufgenommenen genauenDetailpläne zu Ihrer Begutachtung einzusenden mit der Bitte um Bekanntgabe, ob Siemit einem nach diesen Plänen angefertigten Modell einverstanden sind und in welchemMaßstabe das Modell gehalten werden soll. Mit den besten Empfehlungen GertrudWimmer- Brunner. Wels 6. 2. 27" 1
Mit diesen an den Direktor des Österreichischen Museums für Volkskunde inWien gerichteten Zeilen beginnt ein langwieriges, spannendes, leider nur bruchstück-haft nachvollziehbares Bemühen um das Modell eines typischen Vierkanthofes ausOberösterreich für die Sammlung des Wiener Volkskundemuseums.
Die Möbelmalerin Gertrud Wimmer- Brunner in Lambachund das Österreichische Museum für Volkskunde in Wien
Als Hauptakteure dieser Geschichte begegnen uns zwei bemerkenswerte Persön-lichkeiten: Gertrud Wimmer- Brunner( 1887-1972), die Leiterin einer Werkstätte fürbemalte Möbel in Lambach², und Prof. Michael Haberlandt( 1860-1940), der Gründerdes Österreichischen Museums für Volkskunde³. Beide waren schon früh miteinanderin Kontakt gekommen, wie der rege Briefwechsel aus dem Jahr 1918 bezeugt. Diedamals noch unverheiratete Gertrud Brunner bedankt sich darin für die Übermittlungvon Unterlagen über Volkskunst und macht ihrerseits den Direktor des Museums aufverschiedene Objekte aus der Umgebung von Lambach aufmerksam. Michael Haber-landt begann Gertrud Brunner vor allem aber wegen ihrer künstlerischen Fähigkeitenzu schätzen, die sie bei der Dokumentation von Motiven der Möbelmalerei entwickelteund die sie bald selbst auf Möbeln umzusetzen begann. Auf einer in Salzburg stattge-
1 Dieses und alle weiteren Dokumente finden sich in den Herkunftsakten des Österreichischen Museums fürVolkskunde zur Inventarnummer 41.080.
2 Lipp, Franz, Gertrud Wimmer- Brunner, Lambach, zum Gedenken.( Österr. Zs. f. Vkde., 1972, 218-220)3 Schmidt, Leopold: Das österreichische Museum für Volkskunde. Werden und Wesen eines Wiener Museums.Wien 1960
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