> 1979
Der Bauer und der Bungalow
Wandlungen der ländlichen Architektur im pannonischen Raum
Kaum anderswo tritt die Devastierung des gewachsenen Baubestandes so kraẞvor Augen wie in den Straßen- und Angerdörfern Ostösterreichs. Zwar haben Gigan-tomanie und schlechter Geschmack- meist unter dem Deckmantel des Fremdenver-kehrs- auch in der alpinen Landschaft häßliche Narben hinterlassen, doch erscheintder Bruch mit den überkommenen Bauformen weniger radikal. Sicher, den Siedlungendes Alpenraumes blieb das Schicksal wiederholter Verwüstungen erspart, weshalb hierdie Substanz an alter Architektur durch Jahrhunderte nicht nur weitgehend erhalten,sondern auch als Modell für Neubauten übernommen werden konnte. Ausgehend vomBauernhaus entwickelte sich jener alpenländische Stil, der über weite Strecken zumIdealbild baulicher Tätigkeit wurde.
Solche Dynamik birgt freilich auch Gefahren. Die Ausbreitung alpiner Bauformendroht nämlich bestehende Kulturlandschaften zu verändern und sie einander anzu-gleichen. Das Flachdach, um nur ein charakteristisches Element alpinen Bauens her-vorzuheben, ist etwa drauf und dran, die anderen Dachkonstruktionen und damit dieVielfalt der Hauslandschaften zu verdrängen.
Ähnlich verhält es sich im pannonischen Raum. Auch hier gibt es, abgesehen vonder ebenerdigen Bauweise, eine Vielzahl verschiedener Bauernhoftypen. In den eng-verbauten Dörfern findet man- leider immer seltener- die mit dem Giebel zur Straßeweisenden Gebäude zu Streck- oder Hakenhöfen angeordnet. Meist steht der Wohnteiljedoch„ zwerch"( parallel) zur Straße. Daneben entdeckt man im pannonischen Raumnoch Dreiseit- und Vierseithöfe, die durch ihre schönen Arkadengänge einen beson-deren architektonischen Akzent aufweisen. Die alten Bauernhäuser haben hier aberihre Funktion als Idealbild architektonischer Gestaltung verloren. Sie mußten einerurbanen Baugesinnung und Lebenseinstellung Platz machen. Ihre Zerstörung ist daherbesonders schmerzlich, da man für die Bauernhäuser keine aus ihrer Tradition abge-leiteten zeitgemäßen Formen entwickelte. Damit orientiert sich aber auch der allesüberwuchernde Siedlungsbau- vom öffentlichen ganz zu schweigen- zwangsläufigan neuen Vorbildern und bewirkt, daß eine ehemals bäuerliche Kulturlandschaft ihrGesicht verliert. Wiederholte Bemühungen, landschaftsbezogene„ Musterhäuser", etwaein„ Burgenlandhaus“, zu propagieren, brachten bisher noch keine befriedigenden Er-gebnisse. Solange man die Ursachen für die Zerstörung nicht bloẞlegt, werden solchekosmetische Operationen auch ohne Erfolg bleiben.
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