Gegenwärtige Probleme der Hausforschung in Österreicham Beispiel des Burgenlandes
> 1982
Dreißig Jahre sind es her, seit Arthur Haberlandt auf der 6. Österreichischen Volks-kundetagung in Eisenstadt über„ Probleme und Aufgaben der Hausforschung im Bur-genland" referierte.' Eine Zeitspanne, die es sinnvoll erscheinen läßt, sich neuerlich mitdieser Thematik auseinanderzusetzen. Das Burgenland erlebte nämlich innerhalb einerGeneration eine derart rasante Bauentwicklung, die den alten dörflichen Charakterweitgehend veränderte.² Die volkskundliche Forschung hat darauf aber kaum reagiert.
So ist es sicher verdienstvoll wenn im Österreichischen Volkskundeatlas auf derGrundlage der Katastererhebungen aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine,, historische Gehöfteformen- Karte“ erarbeitet, und von Elisabeth Tomasi ein umfang-reicher Kommentar und ein Literaturverzeichnis zusammengestellt wurde, die einenguten Überblick über den derzeitigen Forschungsstand der burgenländischen Hausfor-schung bieten. Die Karte gibt aber keine Auskunft, in welchem Verhältnis die bäu-erlichen Gehöfte zu den übrigen Siedlungsbauten standen und somit keinen gültigenAufschluß auf die Dominanz in den jeweiligen Kulturlandschaften. Es wäre daherverfehlt anzunehmen, daß zum Zeitpunkt des Querschnittes nur Bauernhäuser dasSiedlungsbild prägten, und noch mehr, wenn man aus dem Beharrungsvermögen, dasden bäuerlichen Bauten sicher inhärent ist, auf eine bis weit in die Gegenwart rei-chende Gültigkeit schließen wollte. Im neuen Burgenland- Dehio könnte man freilichdurchaus zu dieser Meinung gelangen. Hierin gibt Clara Prickler- Wassitzky den jüngs-ten Überblick über die traditionellen Siedlungs- und Hausformen des Burgenlandes.
1 Haberlandt, Arthur: Probleme und Aufgaben der Hausforschung im Burgenland. In: Schmidt, Leopold( Hg.):Burgenländische Beiträge zur Volkskunde. Die Vorträge der 6. Österr. Volkskundetagung in Eisenstadt 1951(= Veröffentlichungen des Österr. Museums f. Volkskunde, Bd. 11). Wien 1953, S. 33-43.
2 Schmidt, Leopold: Volkskunde. In: Burgenländische Landeskunde. Wien 1951, S. 621-670, Abb.
3 Österreichischer Volkskundeatlas: Historische Gehöftformen. Entwurf und Bearbeitung: Ingrid Kretschmer undElisabeth Tomasi( Arbeitsunterlagen: Adalbert Klaar), 6. Lfg.( 1977), Bl. 96, 97, 98; Kommentar von ElisabethTomasi, 136 S., 32 Abb; Elisabeth Tomasi: Ländliche Siedlung- Bibliographie. ÖVA., 6. Lfg.( 1977), Bl. 92-98.4 Prickler- Wassitzky, Clara: Siedlungs- und Hausformen. In: DEHIO- Handbuch. Die Kunstdenkmäler Öster-reichs: Burgenland. Bearbeitet von Adelheid Schmeller- Kitt mit Beiträgen v. Friedrich Berg, Clara Prickler-Wassitzky, Hansjörg Ubl. Wien 1976, S. 21-29, 6 Abb; Kurze Überblicksdarstellungen über die Gehöfteland-schaften des Burgenlandes geben auch: Bockhorn, Olaf: Das Bauernhaus im Burgenland. In: Haus und Hofin Österreichs Landschaft. Notring- Jahrbuch, Wien 1973, S. 179-180, 1 Abb; Pöttler, Viktor H.: Alte Volksar-chitektur. Graz- Wien- Köln 1975, S. 74 ff; Harlfinger, Reinhold: Die bäuerliche Baukunst im Burgenland. In:Spielhofer, Herrad: Sanierung, Um-, Zu- und Ausbau von erhaltungswürdigen ländlichen Wohnhäusern inÖsterreich. Graz 1980, S. 120-121.
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