Enzian und Edelweiß
Alpenländische Keramik für Österreich
> 2005
Neben unserem Museum- dem Österreichischen Museum für Volkskunde in Wien-in der Laudongasse befindet sich ein kleines Antiquitätengeschäft. Die Besitzerin, einebegeisterte Sammlerin, die dieses Geschäft nebenberuflich als Hobby betreibt, hat sichneben Kinderbüchern besonders auf Keramik spezialisiert, und zwar auf Kunstkeramikdes 20. Jahrhunderts. In rasch wechselnder Folge präsentiert sie davon in den beidenkleinen Schaufenstern- liebevoll zusammengestellt- erlesene Stücke. Neben Bosse-Keramik, Keramik der Wiener Werkstätte oder Schleiss- Keramik aus Gmunden findetsich immer wieder auch so genannte Alpenblumenkeramik, für die ich, wie ich geste-hen muss, in letzter Zeit ein Faible entwickelt habe. Ich konnte daher in den letztenJahren auch einige Stücke erwerben- so eine ovale Schale, die unterhalb des Randesrundum mit Enzian-, Edelweiß- und Alpenrosenblüten aus Keramik verziert ist.
Einmal aufmerksam geworden, begegnet man dieser Art Keramik in Antiqua-riaten, Trödlerläden oder auf Flohmärkten relativ häufig. Diese Stücke wurden alsKitsch, als altmodisch und nicht mehr zeitgemäß abgetan, ähnlich wie man in den60er/ 70er Jahren begann, sich der Tracht oder der so genannten Bauernstuben zu ent-ledigen. Doch die 90er brachten ein Revival. Man begann die Heimat wieder zu entde-cken, fand wieder Spaß an einer neuen Art der Volksmusik und am sportlichen Coun-try- Look( Landhausstil), für den das Edelweiß als Markenzeichen gilt. Unter diesemGesichtspunkt wird auch die Renaissance der„ Alpenblumenkeramik" verständlich.
Die Alpenländische Kunstkeramik Liezen
Hauptproduktionsstätte der„ Alpenblumenkeramik", und das zeigen die Marken,war die„ Alpenländische Kunstkeramik Liezen" im Ennstal in der Steiermark( Gollner1990). Die Betreiber dieses Unternehmens waren keine Keramiker, sondern eine erfolg-reiche Kaufmannsdynastie, als deren Ahnherr Ferdinand Vasold anzusehen ist. Dankseines Unternehmergeistes schaffte er es vom kleinen Commis zum Großhandelskauf-mann. Er vertrieb u. a. Glas, Porzellan und Tonwaren und richtete 1893 selbst eineGlas- und Porzellanmalerei ein, für die er sich Arbeiter aus den Sudetenländern holte.Im Ersten Weltkrieg kaufte er die wirtschaftlich schwer in Mitleidenschaft gerateneSteingutfabrik in Sachsenfeld bei Cilli/ Untersteiermark, die er in kurzer Zeit in eineflorierende Manufaktur für Gebrauchsgeschirr und Figuralkeramik verwandelte. Noch
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