SACHEN, ARTEFAKTE, MUSEUMSDINGE
Messer- Ein Gebrauchsgegenstand als Sammelobjekt
Es gehört zu den merkwürdigen Phänomenen menschlicher Kultur, dass man erstdann über einen Gegenstand nachzudenken beginnt, wenn dieser zum Sammelobjektwurde. Im alltäglichen Gebrauch findet seine Existenz kaum Beachtung. Es gehörtweiters zu den Selbstverständlichkeiten auf der Welt, dass ein Ding, wenn es abgenütztoder kaputt gegangen ist, durch ein neues ersetzt und das alte, so es nicht einem ande-ren Zweck zugeführt wird, beiseite gelegt oder entsorgt wird. Das Moderne tritt an dieStelle des Überholten. Das Vergangene entschwindet dem Gedächtnis. Beim Sammelnund Aufbewahren hingegen wird das Abgelegte wieder in das Bewusstsein zurückge-holt. Das nutzlos Gewordene bekommt eine historische Bedeutung zugewiesen. DasSichtbare gewinnt das Unsichtbare zurück.
Auch wenn vom Sammeltrieb gesprochen wird, folgt der Mensch beim Sammelnnicht einem angeborenen Instinkt, sondern speziellen Interessen. Diese können vonder ästhetischen Befriedigung, von der persönlichen Genugtuung über den raren Be-sitz, von der gezielten Wertanlage bis zur Steigerung von Macht und Prestige reichen.Das Sammeln hat aber auch die Bewahrung von Kulturgut und den wissenschaftlichenErkenntnisgewinn zum Ziel. Das institutionelle Sammeln unterscheidet sich dabei sehrwesentlich vom privaten Sammeln. Ersteres zeichnet sich dadurch aus, dass es aufDauer angelegt ist und dass die Sammlung der Öffentlichkeit in Form von Ausstel-lungen oder Studiensammlungen zugänglich bleibt. Das institutionelle Sammeln istweitgehend den Museen vorbehalten.
Zwischen dem privaten Sammeln und den Museen gibt es freilich enge Verflech-tungen, da viele Privatsammlungen als Ganzes oder zum Teil von den Museen imWege von Ankäufen oder im Zuge von Auktionen erworben werden konnten. Undnoch eine zweite Parallele lässt sich konstatieren: Das Sammeln unterliegt konjunk-turellen Moden.
Das trifft insbesondere auf die Messersammlungen zu. Zwar findet man bereitsin den Inventaren der fürstlichen Kunst- und Wunderkammern der Renaissance Mes-ser und Bestecke verzeichnet. Bevorzugt waren außergewöhnliche Einzelstücke mitkostbaren Griffen aus Gold, Bergkristall, Bernstein, Elfenbein oder Perlmutter. Ab derMitte des 19. Jahrhunderts, mit dem verstärkten Interesse an Geschichte, avanciertenMesser, Löffel und Gabeln zu wichtigen kulturhistorischen Zeugnissen der jeweiligenEpochen. Der stärkste Impuls zum Sammeln von Bestecken und Messern ging vom
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