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Der Weg als Ziel : ausgewählte Schriften zur Volkskunde (1975 - 2005) ; Festgabe zum fünfundsechzigsten Geburtstag
Entstehung
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DER MENSCH UND DIE BIENE. BILDERWELT AM BIENENSTOCK. VON DER APIKULTUR SLOWENIENS

geduldig ertrug wie Bienen ihre Arbeit. Neben dem hl. Job gelten auch der hl. Amb-rosius und der hl. Bernhard von Clervaux als Bienenpatrone. Ihnen wird nachgesagt,daß ihnen die Predigten wie Honig von den Lippen geflossen seien. Der hl. Medarduskommt zu Bienenehren, weil sein Name das slawische Wort für Honig enthält, der hl.Gallus wiederum, weil an seinem Termin die Imker im Herbst die Arbeit beenden. AmTag Petri- Stuhlfeier hingegen geht der Imker zu seiner Bienenhütte, um die Bienennach dem Winter aufzuwecken.

Ein beliebtes Motiv scheint auch jenes der verkehrten Welt gewesen zu sein.Dabei treten Tiere mit menschlichen Eigenschaften auf. Man sieht Tiere beim Tanzen,beim Schmausen, aber auch, wie Hasen und Füchse sich einträchtig gegen den Jägerwenden, ihn erschießen und gemeinsam zu Grabe tragen. Diese Bilder besitzen in derTierfabel ihre literarische Entsprechung, deren Tradition bei Äsop beginnt und überLafontaine bis zu Goethes Reinecke Fuchs reicht. Und auch in Heinrich HoffmannsStruwwelpeter wird der Jäger vom Hasen erschossen. Das Motiv der verkehrten Weltwar besonders in der Renaissancezeit beliebt und galt als stummer Protest gegen diesozialen und konfessionellen Ungerechtigkeiten. Den Malern waren diese Zusammen-hänge vermutlich kaum mehr bewußt. Die Bilder wurden nämlich zum überwiegendenTeil nach Vorlagen geschaffen. Man verwendete dazu alte Flugblattdrucke, Bilder-bögen, aber auch Illustrationen aus alten Büchern. Der Laibacher Ethnologe GorazdMakarovič, der die Bienen- Stirnbrettchen wissenschaftlich erforschte, konnte zu vie-len Bildern die Vorlagen finden.

Ein besonderes Sujet bilden die Spottmotive. Meist werden, ihrer gesellschaft-lichen Rolle entsprechend, die Frauen dabei aufs Korn genommen. Man sieht sie umdie Männerhose streiten oder wie ihnen vom Teufel die Zunge geschliffen wird. Dane-ben bekommen aber auch die Männer ihren Teil ab. Ziel des Spottes sind vor allem dieSchneider und Schuster. Auch sonst scheinen die Bilder aus dem Leben genommen zusein, denn man sieht die Bauern in fröhlicher Runde im Gasthaus, bei Raufhändeln undbei Viehgeschäften. Die Bilder geben Einblick in die Arbeitswelt, zeigen Militär- undJagdszenen, erzählen von historischen Begebenheiten und außergewöhnlichen Dorf-geschichten. Häufig findet man natürlich die Imker selbst auf den Bienenstock- Stirn-brettchen verewigt, die die Bilder ja nicht selbst anfertigten, sondern bei geschicktenMalern bestellten. Es lassen sich dabei drei Gruppen unterscheiden: Kirchenmaler, dievorwiegend auf religiöse Motive spezialisiert waren; Volkskünstler, die auch sonstAufträge für die Bemalung von Votivtafeln, Marterln, Möbeln und Lüftlmalereien aus-führten; und schließlich Laienmaler.

Insgesamt konnten von der Forschung über 40 verschiedene Maler und Male-rinnen festgestellt werden, von denen im Laufe der 200jährigen Geschichte an die50.000 Bienenstock- Stirnbrettchen hergestellt worden sein dürften. Nur etwa 3000davon haben sich in Museen und Sammlungen erhalten. Geblieben ist jedoch dieFaszination dieser Bilderwelt, die noch heute von der innigen Beziehung der Imker zuihren Bienen zeugt und die uns Einblick in ihre Kultur gewährt.

Aus: Leben mit Tradition 28, Salzburg 1990/1991, 38-41, Abb.

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