SACHEN, ARTEFAKTE, MUSEUMSDINGE
Der Mensch und die Biene. Bilderwelt am BienenstockVon der Apikultur Sloweniens
Unter dem Titel„ Der Mensch und die Biene" zeigte das Österreichische Muse-um für Volkskunde in Wien eine Ausstellung des Ethnographischen Museums vonLaibach über die traditionelle Apikultur Sloweniens, zu der auch ein umfangreicher,zweisprachiger Katalog erschien. Wie es im Titel zum Ausdruck kommt, ging es beidieser Ausstellung nicht primär um die Biologie der Biene, noch um die traditionelleImkereiwirtschaft, sondern vor allem um die vielfältigen kulturellen Beziehungen desMenschen zur Biene, die in Slowenien in Form der bemalten Bienenstock- Stirnbrett-chen eine besonders liebenswürdige Ausprägung erlangten.
Funde und bildliche Darstellungen beweisen, daß der Mensch seit Jahrtausendendanach strebte, sich die Produkte der Biene zu eigen zu machen. Erste schriftlicheNachrichten über die Bienenzucht stammen aus Indien, aus Ägypten, Griechenland,Rom und Südosteuropa. Bekanntlich beschäftigten sich Aristoteles und Vergil( in sei-ner Georgica) eingehend mit der Bienenzucht. Auf sie geht die Vorstellung zurück, daẞdie Bienen keine eigene Brut erzeugten, sondern daß sie diese von den Blüten einsam-melten. Es herrschte daher lange Zeit die Meinung vor, die Bienen seien geschlechtslos.In der christlichen Welt deutete man diese Eigenschaft als Symbol der Jungfräulichkeitund der leichten Geburt. Das erklärt die vielen Bienenkörbe auf Marienbildern oderetwa auch, weshalb in einer Tiroler Weihnachtskrippe, die sich im ÖsterreichischenMuseum für Volkskunde befindet, neben der Geburtsgrotte eine Bienenhütte steht.Auch sonst gilt die Biene wegen ihrer geschätzten Eigenschaften als Sinnbild desFleißes, der Geduld und Ausdauer. Als Wachs- und somit als Lichtspender wurde siezu einem Symbol für Christus. Päpste und Kaiser, aber auch gelehrte Gesellschaftentrugen das Emblem der Biene in ihrem Wappen.
Nach Slowenien wurde die Biene laut einer Legende durch einen Orkan über-tragen. Als Noah mit seiner Arche, in der er natürlich auch einen Bienenschwarmmitnahm, auf dem Berg Ararat strandete, blieben die Bienen zurück und flogen aufeine Palme. Ein mächtiger Sturm wehte sie bis nach Slowenien. Tatsache ist, daß dieSlowenen seit frühester Zeit tüchtige Imker waren und als solche von Karl dem Großensehr geschätzt wurden, der sie auf seine Mustergüter zur Honig- und Metgewinnungholte. Wenn man bedenkt, daß der Honig bis ins 17. Jahrhundert der einzige Süßstoffwar und daẞ Wachs erst im 19. Jahrhundert durch Stearin und Paraffin ersetzt werdenkonnte, wird man die Wertschätzung und wirtschaftliche Bedeutung dieser Produkte,die auch in der Heilkunde reiche Anwendung fanden, verstehen.
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