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Der Weg als Ziel : ausgewählte Schriften zur Volkskunde (1975 - 2005) ; Festgabe zum fünfundsechzigsten Geburtstag
Entstehung
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SACHEN, ARTEFAKTE, MUSEUMSDINGE

Wasserweg transportiert. 13 Selbst hochwertigstes Holz verarbeitete man zu meterlan-gem Brennholz, das zweimal im Jahr getriftet wurde. Dazu mußte man die Scheiterso kunstgerecht am Wasser aufschlichten, daß bei Wegnahme der Stütze der gesamteStoẞ ins Wasser rutschte. Für die notwendige Wassermenge hatte eine Anzahl vonkleinen Klausen"( Wasserwehren) zu sorgen, die heute fast zur Gänze verschwun-den sind. Die Hauptklause besteht jedoch noch als technisches Denkmal in ihremursprünglichen Zustand am Ortsausfluß der Schwechat bei Klausen- Leopoldsdorf. Fürdas Schwemmen, das naturgemäß jedesmal einen Höhepunkt im Jahresablauf dar-stellte, war es wichtig, daß die Bäche gut gepflegt und ausgebaut waren, damit sichmöglichst wenig Holz am Ufer verfing. Was zurückblieb, war für die Forstverwaltungverloren, denn das Rücklaẞholz" wurde eine Beute der Bevölkerung. Um eine opti-male Wassernutzung zu erreichen, mußte bei der Öffnung der einzelnen Schleusen eingenauer Zeitplan eingehalten werden, wobei es zu berücksichtigen galt, daß die Lauf-geschwindigkeit des Wassers an der Oberfläche wesentlich größer ist als am Grund.Daher wurde die Hauptklause zuerst geschlagen, um das Vorlaufwasser freizugeben.Bis zu 10.000 Raummeter wurden bei einer Trift nach Baden geschwemmt, von wodas Brennholz an den Hof nach Wien geschafft wurde. Nach 1950 wurde die Was-serbringung zugunsten der Wegebringung aufgelassen. Die Forststraßen machten denEinsatz moderner, vollmechanisierter Erntezüge möglich, die man- zugeschnittenauf österreichische Verhältnisse( Patent Flachberger)- aus Schweden übernahm. DieseTechnisierung der Forstwirtschaft, die die alten Geräte verdrängte, ermöglichte trotzAbbau von Arbeitskräften einen größeren Umsatz. Zudem sortiert man das Holz nachverschiedenen Güteklassen, um es günstiger verkaufen zu können.

Angesichts dieser automatisierten Holzbringung und-verarbeitung wird deut-lich, daß die Holzhackerschilder" aus dem Wienerwald trotz ihrer intakt gebliebenenzeichenhaften Funktion ein Relikt aus vergangenen Tagen verkörpern, an dem derWandel in der Forstwirtschaft erkennbar wird.14

Hinter den ,, Holzhackerschildern" verbirgt sich aber auch das persönliche Schick-sal des 1900 geborenen Leopold Hollnberger, der mit 15 Jahren den Beruf eines Holz-knechtes ergriff und zunächst bei den Bauern nach Waldarbeit suchen mußte. Mit 23Jahren kam er zu den Bundesforsten. Wenige Jahre später ereilte ihn ein schweresUnglück: Beim Holzziehen war der angehängte Binkel" Holzscheiter vom Haken ab-gegangen, wodurch der Schlitten nicht mehr zu bremsen war. Er wurde aus der Bahngeschleudert und begrub Hollnberger unter der Fuhre. 4 Rippenbrüche und ein Lun-geneinriẞ waren die schreckliche Folge, die eine dauernde Invalidität nach sich zog.Um seine Familie und die 10 Kinder, die sich nach und nach einstellten, zu erhalten,verlegte er sich zunächst auf kleine Bastel- und Reparaturarbeiten. Auf Wunsch des

13 Januschka, Emanuel: Schwimmendes Holz. Bilder vom Leben und von der Arbeit der Flößer(= Niederdonau,H. 86). St. Pölten 1943.

14 Vgl. Dosedla, Heinz- Christian: Änderungen in der materiellen Volkskultur des Wienerwaldes. Der Gerätebe-stand der Wienerwaldbauern im 19. Jahrhundert im Spiegel der zeitgenössischen Malerei. Phil. Diss., Wien1969.

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