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Der Weg als Ziel : ausgewählte Schriften zur Volkskunde (1975 - 2005) ; Festgabe zum fünfundsechzigsten Geburtstag
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Über die ,, ganz ordinären" ProdukteErzeugnisse aus Hausindustrie und Manufakturen

> 1995

Maultrommeln

Unter den Produkten aus Metall, denen Karl Karmarsch in seiner Beschreibung desNational- Fabriksprodukten- Kabinettes" den ersten Platz einräumt, da sie den wichtigs-ten Zweig der gewerblichen Industrie überhaupt, und jenen des österreichischen Staa-tes insbesondere, bilden registriert er auch eine Sammlung von Maultrommeln. Dazuvermerkt er: Dieses Fabrikat ist von nicht ganz geringer Wichtigkeit, indem eine großeMenge desselben in verschiedene Länder, ja selbst bis nach Amerika, verführt wird." 1

Über Aufforderung des polytechnischen Instituts hatte die Maultrommelmacher-Zunft von Molln in der oberösterreichischen Eisenwurzen eine Musterkollektion von28 Meisterstücken verschiedener Größe an das Fabriksprodukten- Kabinett eingesandt.Dazu stellten die Maultrommelmacher fest, daß wegen der erhöhten Maut der Absatznach Rußland zwar zurückgegangen sei, dafür aber in Nürnberg, Leipzig, Frankreich,Schweiz und Amerika ungebremste Nachfrage nach Moliner Maultrommeln bestand.Die Maultrommeln bildeten demnach zu Beginn des 19. Jahrhunderts einen ausgefal-lenen, aber offensichtlich beliebten Exportartikel. In den Vaterländischen Blättern"ist darüber im Jahr 1817 zu lesen, daß in 29 Werkstätten von 40 Männern, vielen" Weibern Glossar ::: zum Glossareintrag  Weibern, und Kindern pro Tag 700 bis 800 Dutzend Maultrommeln erzeugt wurden,was einen Jahresdurchschnitt von über 2,5 Millionen Stück ergab.² Die Tagesleistungeines Meisters soll um 1845 sogar 1800 bis 2000 Stück betragen haben.³

Auch auf der ersten Weltausstellung in London im Jahr 1851 warben die Maul-trommelmacher für ihr österreichisches Qualitätsprodukt. Und noch 1880 schreibtAnton Ruthner in seinem Buch Oberösterreich in malerischen Ansichten: Mollnist bekannt als der Haupterzeugungsort der Maultrommeln, von welchen noch vorkurzem mehr als 8 Millionen jährlich verfertigt wurden." 4

Daher hatten es die Maultrommelmacher nicht leicht, sich neben den Sichel- undSensenschmieden, den Messerern und Hufschmieden, die in der sogenannten Eisen-wurzen" das Übergewicht hatten, zu etablieren. Erst als sie sich zu einer Zunft zusam-menschlossen und sie von Johann Maximilian Reichsgraf von Lamberg zu Steyr imJahre 1679 eine eigene Handwerksordnung erhielten da sie bis ,, dato ohne Ordnunggelebt"-, wurde ihre Lage besser.

1 Karmarsch, Karl: Beschreibung, 1823, S. 25.

2 Vaterländische Blätter für den österreichischen Kaiserstaat, 1817, Nr. 75.

3 Oberösterreichisches Landesarchiv, Musealarchiv, Bd. 62: Eisenindustrie I.

4 Ruthner, Anton von: Oberösterreich in malerischen Ansichten. Linz 1880, S. 516.

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