> 1981
Lange Zeit mußte der reiche Bestand an oberösterreichischen Möbeln dem Besu-cher wegen mangelnder Ausstellungsfläche entzogen werden. Mit der Errichtung einerständigen Außenstelle auf Schloß Gobelsburg bei Langenlois in Niederösterreich konn-te jedoch Abhilfe geschaffen werden. Beginnend mit einer„ gotischen“ Spreiẞltruheaus Eferding von 1726, einem Viechtauer Kasten, über Lambacher-, Kronstorfer- undHirschbacher- Möbel, bis hin zu dem Kasten, dessen Türfelder die Bilder von KaiserJosef II. und König Friedrich von Preußen schmücken, die mit dem Frieden von Te-schen den Anschluß des Innviertels an Österreich besiegelten, findet man das gesamteSpektrum an oberösterreichischem Mobiliar im Museum vertreten. Erst jüngst konntedie Sammlung durch Widmung um ein Ensemble von„ gelben“ Möbeln aus LinzerBesitz bereichert werden, das aus dem oberen Mühlviertel stammen dürfte.
Auch für den großen Bestand an altösterreichischer Majolika ergab sich imSchloßmuseum Gobelsburg eine adäquate Ausstellungsmöglichkeit. Die GmundnerKeramik mit den zahlreichen Godenschalen, Schüsseln, Krügen, Weihbrunnkesselnund Tintenbehältern nimmt dabei eine vorrangige Stellung ein. Eine erlesene Auswahlwird auch in Wien gezeigt. Hier findet man die typischen braunglasierten Zwiebel-schüsseln aus dem Traunviertel und zwei Alphabetschüsseln aus den Jahren 1691und 1721, über die Leopold Schmidt in der Festschrift für Franz C. Lipp berichtete.Herausragendstes Zeugnis der handwerklichen Fertigkeit der Hafner und Ofensetzerbildet jedoch die sogenannte„ Ofenbäuerin“ aus Münzbach bei Perg, die den Ober-österreich- Raum beherrscht. Die anthropomorphe Nachbildung einer gestandenenBäuerin aus dem Machland in der naturgetreuen Wiedergabe der Tracht um 1760, dieeinen geflochtenen Obstkorb auf dem Kopf trägt, stellt eine vielbestaunte Attraktiondes Österreichischen Museums für Volkskunde in Wien dar.
Neben den bemalten Möbeln und der Keramik, die einen Hauptteil der Oberös-terreich- Sammlung ausmachen, zählen die Glaserzeugnisse zu einem Spezifikum desLandes ob der Enns. In der Glasausstellung auf Schloß Gobelsburg findet man des-halb auch oberösterreichisches Hohlglas mit Emailfarbenbemalung. Alfred WalcherRitter von Molthein gelang es, die Herkunft der eckigen Branntweinflaschen mit demSchraubverschluß aus einer Manufaktur in Freudenthal nahe bei Frankenmarkt imAttergau zu eruieren, worüber er in den„ Werken der Volkskunst", die vom Österrei-chischen Museum für Volkskunde herausgegeben wurden, berichtete. In der Laudon-gasse sind die gläsernen Zeugnisse des 18. Jahrhunderts der Abteilung Liebe- Hoch-zeit- Ehe zugeordnet, um ihren einstigen Stellenwert im Volksleben zu unterstreichen.Nebenbei sieht man in Vitrinen die mit Brandmalerei verzierten Brautschaffel, kerb-schnittverzierte Haubenständer, Spanschachteln und gedrechselte„ Krösenbüchsen“.Hier fehlen natürlich auch nicht die Viechtauer„ Liebesgaben“: die schwarzgold la-ckierten Löffel, die in entsprechenden hübsch bemalten Remen stecken, gedrechselteSchüsseln und Keramikkrüge, die ebenfalls eine goldene Verzierung auf schwarzemGrund tragen.
Oberösterreichische Volkskunst eröffnet sich dem interessierten Besucher imWiener Volkskundemuseum demnach unter drei Gesichtspunkten: unter einem
275