VOLKSKUNST, POPULÄRE ÄSTHETIK
Volkskunst aus Oberösterreich
Entstehung und Wesen einer regionalen Sammlung innerhalb desÖsterreichischen Museums für Volkskunde in Wien
Beim Rundgang durch die„ Möbelstuben“ des Österreichischen Museums fürVolkskunde in Wien gelangt der Besucher im Gartenpalais Schönborn auch in dieRäume Oberösterreich und Salzkammergut. Wie in einer„ hohen“ Stube des Traun-viertels findet er hier das reiche und primär zur Repräsentation bestimmte Ausstat-tungsgut einer Bäuerin zusammengestellt: das prachtvolle Hochzeitsbett von 1781mit dem Sonntagberger Gnadenstuhl am Kopfaufsatz und der lebendigen Darstellungeiner Hochzeitstafel am Fußende, den mit einem imaginären Gedeck bemalten Tisch,der wohl die immerwährende Gastfreundschaft ausdrücken soll, die bemalten Brett-stühle mit den interessanten Selbstdarstellungen der Besitzer in der Tracht des 17.und 18. Jahrhunderts, dazu das Spinnrad und eine Wanduhr, deren Zifferblatt mit denSymbolen der vier Jahreszeiten und mit der für Oberösterreich typischen Darstellungdes auf dem Kreuz liegenden Jesuskindes geschmückt ist. Diese Motive weisen aufdie enge Beziehung zur Möbelmalerei hin, die denselben Formenschatz verwendet.Zur Bestätigung hängt gleich neben der Uhr eine Kastentürfüllung mit dem liegendenJesuskind und im Vorraum des Obergeschoßes steht der eindrucksvolle Jahreszeiten-schrank mit den Tierkreiszeichen aus der„ Lambacher Werkstätte“ von 1791. EngeVerwandtschaft dazu lassen die drei Kasten aus den Jahren 1804 und 1805 erkennen,die sich in der„, hohen“ Stube befinden und Bildnisse der Dreifaltigkeit vom Sonntag-berg, der Evangelisten und der„ heiligen Madeln“ Barbara, Katharina, Margarete undRosalia zeigen. Dieses„ heilige" Programm, zu dem noch, wie die dazugehörige Tru-he beweist, die„ Maria- Hilf"-Bilder von der Passauer Cranach- Madonna zählen, unddie Art der Ausführung lassen unschwer die gemeinsame Werkstätte erkennen. Hatteman zunächst allgemein von„ Gunskirchner Möbeln“ gesprochen, so können seit denForschungen von Rudolf Moser die„ Tischler in Aigen", Urban Huemer( 1757-1790)und sein Sohn Andreas( 1790-1819) aus Offenhausen, als Hersteller dieser originellbemalten Möbel namhaft gemacht werden. Als Markenzeichen für die Möbel aus demRaum des östlichen Hausruckviertels sind auch die vielen Soldaten, Grenadiere undPanduren- Reiter anzusehen. Für sie dienten wohl die zahlreichen Stiche als Vorlage,die man auf die Linzer und Florianer„ Reiter- Truhen und-Kästen“ gleich direkt auf-klebte und kolorierte.
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