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Der Weg als Ziel : ausgewählte Schriften zur Volkskunde (1975 - 2005) ; Festgabe zum fünfundsechzigsten Geburtstag
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ERFORSCHUNG UND BEWERTUNG VON VOLKSKUNST IN ÖSTERREICH

Kategorie durch die Einreihung in das System einer Weltausstellung zu allgemeinerBedeutung verholfen zu haben.

Unter nationaler Hausindustrie" verstand Falke allerdings nur jene Produkte, dieim Haus für das Haus, also für den eigenen Gebrauch angefertigt wurden, was freilicheine allzu enge Auslegung bedeutete und dazu führte, daß bei der Weltausstellungdann auch Handwerksprodukte gezeigt wurden bzw. daß eine Anzahl von Nationendie Abteilung nicht beschickte. Die Präsentation entsprach jedenfalls nicht den Erwar-tungen Falkes und führte auch zu falschen Interpretationen. Die für den Eigenbedarfhergestellten Produkte vermittelten nämlich einen überaus rückständigen Eindruckund trafen keinesfalls das gängige Stilempfinden. Rudolf Eitelberger sah darin aber diedem Volkscharakter angemessene Kunst, wofür er 1876 erstmals den Begriff Volks-kunst" verwendete. 25 Er wollte damit auf die künstlerischen Fähigkeiten des anonymenVolkes aufmerksam machen. Auch Falke faßt in seinem Aufsatz über Die nationaleHausindustrie" die künstlerischen Erzeugnisse des Volkes unter dem Begriff Volks-kunst zusammen, doch er verwirft diesen Ausdruck wieder mit dem Argument, daßfür die betreffenden Produkte diese Bezeichnung auch vor ihrer Entdeckung unüblichgewesen sei.26 Er bleibt daher bei dem Begriff nationale Hausindustrie".

Mit den Weltausstellungen und den Bemühungen von Falke war das Augenmerkjedenfalls auf die Volkskunst, das heißt, auf die Erzeugnisse der nationalen Haus-industrie gelenkt worden, ein durchschlagender Erfolg war diesen Bestrebungen abernicht beschieden. Durch den von Rudolf von Eitelberger propagierten Rückgriff aufdie Renaissance kam es vielmehr zum alles überwuchernden Historismus.

Gegen Ende des Jahrhunderts war es dann der Architekt Otto Wagner( 1841-1918), der mit aller Energie die Forderung nach einem eigenen, aus dem Geist desJahrhunderts geborenen Stil erhob. Am nachdrücklichsten wurde dieser Gedanke vonden Sezessionisten verwirklicht. Unter Felizian von Myrbach( 1853-1940) erfuhr auchdie Kunstgewerbeschule eine Reorganisation und in Josef Hoffmann( 1870-1956) er-hielt sie eine leuchtende Lehrerpersönlichkeit." Angeregt durch das Beispiel der sei-nerzeit von William Morris auf englischem Boden ins Leben gerufenen Genossen-schaft von Kunsthandwerkern gründete Josef Hoffmann anfangs 1903 mit einigenGleichgesinnten die Wiener Werkstätte" 28. Außerhalb der Wiener Werkstätte", jedochin engem Anschluß an ihren Stil, nahm im ersten Dezennium des neuen Jahrhun-derts auch die Keramik in Österreich einen erheblichen Aufschwung.29 1906 gründetender Bildhauer Michael Powolny( 1871-1954) und der Maler Berthold Löffler( 1874-1960) unter dem Titel Wiener Keramik eine Werkstätte. Diese wurde dann mit der Gmundner Keramik", die Franz Schleiss leitete, vereinigt. Die traditionelle Gmundner

25 Eitelberger, Rudolf: Kunstgewerbliche Zeitfragen. Abschn. Die Volkskunst und die Hausindustrie. In: Bll. f.Kunstgewerbe V( 1876), S. 17ff.

26 Falke, Jacob von: Die nationale Hausindustrie. In: Ders.: Zur Cultur und Kunst. Wien 1878, S. 287-327.27 Ankwicz- Kleehoven, Hans: Das österreichische Kunsthandwerk. In: Haberlandt, Michael( Hg.): Österreich seinLand und Volk und seine Kultur. Wien, Weimar 1929, S. 413-422.

28 Schweiger, Werner J.: Wiener Werkstätte. Kunst und Handwerk 1903-1932. Wien 1982.

29 Ankwicz- Kleehoven( wie Anm. 27), S. 418.

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