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Der Weg als Ziel : ausgewählte Schriften zur Volkskunde (1975 - 2005) ; Festgabe zum fünfundsechzigsten Geburtstag
Entstehung
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VOLKSKUNST, POPULÄRE ÄSTHETIK

lehrung durch Anschauung für die Masse des Volkes sowohl als für die gebildetenKreise" zum Ziele gesetzt hatte. 20 Dieser Bericht, der im Juli 1862 abgefaßt wurdeund der die Erneuerung des Kunstunterrichtes in Österreich mit Hilfe einer ähnlichenmusealen Institution propagierte, bewirkte an höchster Stelle, daß Eitelberger umge-hend den Auftrag erhielt, eine Gedenkschrift zu verfassen, die konkrete Vorschlägezur Hebung und Förderung der heimischen Kunstindustrie und Geschmacksbildungmit Hilfe eines Museums enthalten sollte. Nach Vorliegen des gewünschten Exposéserteilte der Kaiser am 7. März 1863 die Aufforderung, unverzüglich an die Gründungeines Österreichischen Museums für Kunst und Industrie zu schreiten. Bereits am 12.Mai 1864 wurde das Museum eröffnet, dem im Jahr 1867 die nachmalige Hochschulefür angewandte Kunst angegliedert wurde." ¹ Rudolf Eitelberger wurde mit der Leitungdes Museums betraut. Er reformierte den Zeichenunterricht, propagierte die Errichtungvon Kunstgewerbeschulen im gesamten Bereich der Monarchie und schuf mit der Zu-sammenstellung einer Musterkollektion von Kunstgegenständen vorwiegend des Mit-telalters und der Renaissance die Voraussetzungen für die Erneuerung des heimischenKunstgewerbes. Bedeutende Firmen unterstützten diese Bestrebungen. Die Rückbesin-nung auf den historischen Formenschatz führte zur Herausbildung des sogenanntenAltdeutschen Stils.

Einen ersten Höhepunkt in diesen Bestrebungen des jungen Museums bildetedas Projekt der Weltausstellung von 1873 in Wien. 22 Sie sollte der Welt nicht nur dieFortschritte des österreichischen Kunstgewerbes vor Augen führen, sondern auch dieEigenständigkeit der nationalen Hausindustrie unter Beweis stellen. Die Tatsache, daßbei den letzten Weltausstellungen( London 1862, Paris 1867) eine verstärkte Beto-nung des nationalen Kunstschaffens zu beobachten war, dürfte nicht unwesentlich zudiesem Entschluß beigetragen haben. Es läßt sich jedenfalls feststellen, daß man sichnun auch in Österreich mit dieser Problematik auseinanderzusetzen beginnt. 23 EineFolge davon war, daß bei der Weltausstellung in Wien eine eigene Abteilung mit Ar-beiten der nationalen Hausindustrie eingerichtet wurde. Hierzu hatte Jacob von Falke( 1825-1897), ein enger Mitarbeiter Eitelbergers am Museum für Kunst und Industrie,in den Jahren 1871/72 ein entsprechendes Programm ausgearbeitet und die Gründefür ein solches Unternehmen dargelegt.24 Dadurch kann, wie Deneke betont, Jacob vonFalke zu Recht das Verdienst für sich in Anspruch nehmen, den Erzeugnissen dieser

20 Mrazek( wie Anm. 19), S. XVI; Ders.: Das Österr. Museum für angewandte Kunst. In: Österr. Museen stellensich vor. Wien 1973, F. 1, S. 7-15; In diesem Zusammenhang ist auf die wichtige Schrift von Semper, Gott-fried: Wissenschaft, Industrie und Kunst. Braunschweig 1852, zu verweisen.

21 Fliedl, Gottfried: Kunst und Lehre am Beginn der Moderne. Die Wiener Kunstgewerbeschule 1867-1918. Salz-burg, Wien 1986.

22 Pecht, Friedrich: Kunst und Kunstindustrie auf der Weltausstellung 1873. Stuttgart 1873; Pemsel, Jutta: DieWiener Weltausstellung von 1873. Wien/ Köln 1989.

23 Falke, Jacob von: Die Kunstindustrie der Gegenwart. Studien auf der Pariser Weltausstellung 1867. Leipzig1868; Ders.: Die Kunst im Haus. Wien 1871.

24 Ders.: Die nationale Hausindustrie. In: Gewerbehalle 10( 1872), S. 1 ff., 17ff., 33-36, 49-51; Ders.: Die Kunst-industrie auf der Wiener Weltausstellung 1873. Wien 1873.

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