VOLKSKUNST, POPULÄRE ÄSTHETIK
Zülow für die Keramikwerkstätte Schleiss arbeiteten und Entwürfe anfertigten, begeg-net man den Spuren dieser beiden Künstler.
Ernst Huber, 1895 in Wien geboren, begann seine Laufbahn als Schriftsetzer. Da-bei machte er Bekanntschaft mit der Lithographie. Freiwillig suchte er sich in Abend-kursen an der Wiener Kunstgewerbeschule in dieser Technik weiterzubilden. Nach demKrieg arbeitete er als Graphiker in der Buch-, Kunst- und Steindruckerei Rollinger, woihm die künstlerische Gestaltung von Schubern, Einbänden und Vorsatzblättern oblag.Es war das eine Zeit der Blüte der Buchkunst. Ernst Huber hatte aber einen unbändigenDrang zur Farbe in sich, der ihn zur Malerei führte. Ihr widmete er als Autodidaktseine ganze Freizeit. 1919 trat er erstmals mit drei Bildern an die Öffentlichkeit underregte mit ihnen gleich großes Aufsehen. Josef Hoffmann nahm ihn daraufhin inden„ Sonderbund" auf und bewog ihn zur Teilnahme an der„ Kunstschau" im Öster-reichischen Museum für Kunst und Industrie, wie das Museum für angewandte Kunstursprünglich hieß. Dabei sah er sich nun plötzlich in Gesellschaft mit Künstlern wieHerbert Boeckl, Anton Faistauer, Oskar Kokoschka, Franz Wiegele oder etwa AntonKolig, die bekanntlich zu den wichtigsten Vertretern des Österreichischen Expressio-nismus zählen." Die Verwandtschaft zu dieser Stilrichtung demonstrierte Ernst Hubermit einer Kollektion von grell- farbigen Bildern, die er 1921 in der Secession zeigte undder er später selbst beitrat." Der Inhalt seiner Bilder rankte sich um die dörfliche Idylle.Seine den bevorzugten Aufenthaltsorten nachempfundenen Landschaften bevölkerteer mit rastenden Schnittern, Jagdgesellschaften, vagierenden Zigeunern Glossar ::: zum Glossareintrag Zigeunern oder mit Pfer-deschlitten, denn er tauchte seine Landschaften gerne in winterliches Weiß.„ Huberhat die stillen Landschaften mit den einsamen Häusern, mit den Wegkapellen und denkleinen Dörfern geliebt, die unberührte und doch menschlich temperierte Landschaft".12Nicht von ungefähr bezeichneten ihn seine Freunde als„ Maler des Dorfes❝13.
Was Ernst Köller über Franz von Zülow schreibt, trifft in diesem Zusammenhangvoll und ganz auch auf Ernst Huber zu: Er findet in der bäuerlichen Welt genau das,was er suchte- ,, nämlich Freude an ungebrochenen leuchtenden Farben, an strengerstilisierender, symmetriegebender Ordnung, am naiven Schnörkel ebenso wie an gänz-licher Unterordnung unter die tektonischen und materialgebenden Voraussetzungendes Objekts, sei es nun ein Kleiderschrank, eine Truhe, ein Keramikkrug, ein Kachel-ofen“.14 Die Beziehung zur„ Volkskunst“ erschöpft sich bei Zülow( und wie man
8 Schmidt, Justus: Keramik aus der Schleiss- Werkstätte in Gmunden. München o. J; Lipp, Franz: Bemalte Möbeldes 20. Jahrhunderts. In: Kulturzeitschrift Oberösterreich 37( 1987), H. 4, S. 2-11, Abb.
9 Martischnig, Michael: Ernst Huber 1895-1960. In: Ernst Hubers Volkskunstsammlung( wie Anm. 1), S. 9-
19.
10 Abbild und Emotion. Österreichischer Realismus 1914 1944. Wien, Österr. Museum f. angewandte Kunst,
1984.
11 Martischnig( wie Anm. 9), S. 13.
12 Grimschitz, Bruno: In memoriam Ernst Huber. In: Alte und moderne Kunst. Österr. Zs. f. Kunst, Kunsthand-werk u. Wohnkultur 5( 1960), H. 11/12, S. 24.
13 Martischnig( wie Anm. 9), S. 11 f.
14 Köller, Ernst: Franz von Zülow und die moderne Kunst, H. 6/7, S. 11 ff.
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