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Der Weg als Ziel : ausgewählte Schriften zur Volkskunde (1975 - 2005) ; Festgabe zum fünfundsechzigsten Geburtstag
Entstehung
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ERFORSCHUNG UND BEWERTUNG VON VOLKSKUNST IN ÖSTERREICH

Gmunden oder Berchtesgaden( etwa Rößlreiter, Docken, Krösenbüchsen, Krippenfi-guren etc.), Thumayr- Hinterglasbilder aus Sandl etc.

c) Objekte, die vom Künstler selbst hergestellt worden waren bzw. die er in derManier der Bauernmalerei übermalt hatte: Möbel, Einbauteile, Hinterglasbilder, denOfen, Keramik, Schatullen, Scherenschnitte etc.

Aus dieser unterschiedlichen Herstellungsweise und Funktion ergeben sich füruns jedoch begriffliche Probleme. Es wurden zwar sämtliche Objekte im Ausstellungs-titel unter dem Begriff Volkskunst" zusammengefaßt, bei näherer Betrachtung kannman jedoch feststellen, daß es sich bei den Kästen, den Hinterglasbildern, den Devo-tionalstatuen, den Votivtafeln, Kreuzwegstationen, bei der Keramik um das klassischeRepertoire der Volkskunst handelt, daß die zweite Gruppe im Sinne einer Fortfüh-rung bzw. Wiederbelebung traditioneller Hausindustrie unter dem Aspekt der Volks-kunst erzeugt wurde und daß die dritte Gruppe Eigenschöpfungen umfaßt, die ihreAnregung wohl von den traditionellen Gebrauchsgütern beziehen, die jedoch keineImitationen anstreben, sondern den Versuch einer künstlerischen Weiterentwicklungtraditioneller Volkskunst" darstellen.

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Das gewählte Beispiel mag zunächst zufällig erscheinen. Bei näherer Betrach-tung wird man aber feststellen, daß Ernst Huber keinen Einzelfall bildet. Innerhalbseines engeren Freundeskreises war es vor allem Franz von Zülow( 1883-1963), derin Hirschbach im Mühlviertel ein Refugium besaß, das er- wie Franz Lipp in seinemOberösterreichischen Stubenbuch bemerkt mit technischer Handfertigkeit und dernur einem begnadeten Meister eignenden Handschrift" im Stile der Bauernmale-rei" zu einem Gesamtkunstwerk gestaltete. Er paßt die Stube seines ursprünglich mitStroh gedeckten Hirschbacher Häuschens mit rot- braun- gelb getönten Umrandungender Fensterbögen und neu bemalten Möbeln dem vorhandenen alten HirschbacherSchrank an. Auf hausgewebten Mühlviertler Fleckerlteppichen steht der leinengedeck-te alte Bauerntisch mit den Sprossensesseln.[...] Das kleine Beiwerk von Keramikund Hinterglasbildern ergänzt den Wohnraum des Malers, dessen Lebenselement, dieFarbe, die er in der Volkskunst am unschuldig- reinsten sah und in deren Geist erweiter schuf und gestaltete.5 Man kann annehmen, daß dieses Ambiente Ernst Huber,der häufig zu Gast bei Zülow war, inspirierte und ihn veranlaßte, ebenfalls einen Hirschbacher- Schrank" zu erwerben. Zusammen mit Josef Dobrowsky( 1899-1964),Ferdinand Kitt( 1887-1961), Sergius Pauser( 1869-1970) und Ludwig H. Jungnickel( 1881-1965) verbrachte Huber in den dreißiger Jahren die Sommer in Zinkenbacham Wolfgangsee, wo sie, in den behäbigen Bauerhäusern Quartier nehmend, eine ArtKünstlerkolonie bildeten.' Aber auch in Altmünster und Gmunden, wo Huber und

5 Lipp, Franz: Oberösterreichische Stuben. Bäuerliche und bürgerliche Innenräume, Möbel und Hausgerät. Linz1966, S. 256, Abb.

6 Eine Skizze von Dobrowsky zeigt Zülow zusammen mit Huber und Kitt in Hirschbach. In: Baum, Peter: Franzv. Zülow 1883-1963. Wien/ München/ Zürich 1980, S. 14.

7 Ferdinand Kitt errichtete für sich in Zinkenbach das sogenannte Malerhäuschen", und Ernst Huber gestalteteim Adamgut" die Zimmer aus.

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