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Der Weg als Ziel : ausgewählte Schriften zur Volkskunde (1975 - 2005) ; Festgabe zum fünfundsechzigsten Geburtstag
Entstehung
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VOLKSKUNST, POPULÄRE ÄSTHETIK

Obzwar die Besitzer zu den einzelnen Objekten nicht mehr befragt werden konn-ten, ließen sich doch einige Beobachtungen machen.³ Losgelöst von ihrer ursprüng-lichen Funktion hatten die Objekte in der Wohnung des Künstlerehepaares einenneuen Verwendungszweck erhalten. Sie dienten einesteils dem alltäglichen Gebrauch,zum andern der Auszier der Wohnung. Wie sich aus verschiedenen Indizien erschlie-Ben ließ, besaßen die Dinge für die Eheleute außerdem einen starken Erinnerungswert.Das trifft besonders auf die zahlreichen, regionaltypischen Souvenirs zu, die von ih-rer regen Auslandsreisetätigkeit zeugen. Die Hinterlassenschaft eines Hirschbacher"-Schrankes, von Sandler Hinterglasbildern oder zahlreicher Objekte der ViechtauerHausindustrie werden wiederum verständlich, wenn man bedenkt, daß Ernst Huberfür seine künstlerische Tätigkeit bestimmte Gegenden, etwa das Mühlviertel, das Salz-kammergut und später die Gegend von Wagrain bevorzugte.

Ernst Huber diente die Volkskunst" aber auch zur künstlerischen Inspiration. Inseinen Stilleben findet man nämlich etliche Objekte aus seiner Sammlung abgebildet:etwa den Mostkrug" aus Steinzeug oder die Devotionalkopie der Gnadenmutter vonPříbram in Böhmen. Diese Sammlung, die sichtlich nicht zufällig zustande kam, son-dern ganz im Gegenteil eine gezielte Aufsammlung darstellt, war Ausdruck seiner äs-thetischen Gesinnung. Für Huber bildeten die Dinge, die er zum damaligen Zeitpunktwegen der geringen Nachfrage bestimmt noch überaus preisgünstig erwerben konnte,keine Wertanlage, sondern sie entsprachen seinem künstlerischen Empfinden. Die imbewußten Gegensatz zum modernen Jugendstil mit eigenen künstlerischen Mittelnim Sinne eines bäuerlichen Gesamtkunstwerkes ausgestaltete und mit Volkskunst"ausgestattete Wohnung war Ausdruck seiner Geisteshaltung.

Für die Inventarisierung und für die Erstellung eines Kataloges war es zunächstnotwendig, die Objekte mit Hilfe von Vergleichsmaterial und Spezialliteratur nachihrer Herkunft und ihrem Alter zu bestimmen. Dabei ergaben sich drei Kategorien

Erforschung und Bewertung von Volkskunst in Österreich

a) Objekte, die aus dem 18. und 19. Jahrhundert stammen und Erzeugnisse desHandwerks( Möbel, Keramik etc.) oder der traditionellen Hausindustrie( Hinterglas-bilder, Spanschachteln etc.) darstellen. Diese Objekte waren- soweit sich das feststel-len läẞt von Ernst Huber direkt aus den diversen Bauern"-Häusern der Gegenden,in denen er sich bevorzugt aufgehalten hat, erworben worden; also von den Erbender Erstbesitzer, für die diese Dinge zum Zeitpunkt des Verkaufs offensichtlich keinenWert mehr besaßen.

b) Objekte, die direkt bei den Produzenten oder in den einschlägigen Verkaufs-stellen gekauft worden waren: hausindustrielle Erzeugnisse aus der Viechtau bei

3 Grieshofer, Franz: Ernst Hubers Volkskunstsammlung. Befund und Wertung. In: Ernst Hubers Volkskunst-sammlung( wie Anm. 1), S. 21-36.

4 In Wagrain war Ernst Huber Nachbar von Karl Heinrich Waggerl, der ihm in seiner Pfingstreise" ein litera-risches Denkmal setzte. In: Waggerl, Karl Heinrich: Sämtliche Werke. Bd. II. Salzburg, 1970, S. 231.

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