Erforschung und Bewertung von Volkskunst in Österreich*
> 1992
Fallbeispiel: eine Volkskunstsammlung
Vor einigen Jahren erhielt das Österreichische Museum für Volkskunde in Wienaus dem Nachlaß des Malers Ernst Huber( 1895-1960) eine beachtliche Anzahl vonbemalten Möbeln, Hinterglasbildern, Spanschachteln, Krösenbüchsen, Keramikschüs-seln, Spielzeug, Devotionalien, Krippenfiguren und eine Menge Souvenirs. Insgesamt492 Objekte, die man gemeinhin unter dem Begriff„ Volkskunst“ zusammenfassenkann. Es wurde daher auch für die im Jahr 1983 veranstaltete Sonderausstellung,bei der ein Großteil dieser Objekte der Öffentlichkeit präsentiert wurde, nach einigerÜberlegung der Titel„ Ernst Hubers Volkskunstsammlung" gewählt.' Jedenfalls bot dieAusstellung Gelegenheit, über den Stellenwert der Sammlung für den Künstler undüber den Begriff„ Volkskunst" nachzudenken.
Bei der Übernahme der Objekte konnte noch ein Blick in die im 5. Stock amWiener Donaukanal gelegene und in Auflösung befindliche Wohnung gemacht wer-den, die bis zuletzt der Witwe, die den künstlerischen Nachlaß wie auch das gesamteInterieur getreulich gehütet hatte, als Domizil diente. Da stand im Vorzimmer der dop-peltürige Schrank mit den aufgeklebten Stichen aus dem Ende des 18. Jahrhunderts.Er war von den Besitzern als Kleiderkasten benützt worden. Die bemalte Kommodeaus der Zeit um 1840 war noch prall mit Wäsche gefüllt, und im darüber befindlichenGläserkasten häuften sich persönliche Andenken und Souvenirs. Die verschiedenenDevotionalien, die Krippenfiguren, Docken, Rösselreiter, Vogelpfeiferl etc. befandensich in einer Vitrine, die in einem Verschlag eingebaut war. An den Wänden hingenzahlreiche Hinterglasbilder, Kreuzwegstationen und Votivtafeln. Besonders auffallendwar, daß die Wohnungstüren, die Einbaukästen und der Verschlag in Kammzugtechnikvom Künstler selbst gestaltet waren. Die Betten hatte Ernst Huber in der Manier der,, bäuerlichen“ Möbelmalerei mit winterlichen Landschaften und Ornamenten verziert.Einen Blickpunkt bildete der Kachelofen². Auch ihn hatte Ernst Huber selbst gefertigtund jede Kachel mit einem eigenen„ ländlichen“ Motiv versehen.
* Auf der Generalversammlung der Görres- Gesellschaft in Freiburg/ Br. am 30. 9. 1991 gehaltenes Referat.
1 Ernst Hubers Volkskunstsammlung. Kat. z. Sonderausstellung im Österr. Museum f. Vkde. Wien( Selbstverlag),1983, 88 S., 11 Abb.
2 Der Kachelofen, wie auch ein Teil der von Ernst Huber erzeugten Keramik und Hinterglasbilder, wurde vomMuseum für angewandte Kunst übernommen.
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