Geheimnisvolle Adventnächte
Wer klopfet an? Maskengestalten der Mittwinterzeit
> 1989
Bereits vor 200 Jahren ist es der Aufklärung trotz zahlreicher Verbote und Ver-folgungen nicht gelungen, das Auftreten der verschiedenen Bartln, Klaubaufs, Kram-perln, Gankerln, Teufeln, Niglon, Perchtln und wie sie sonst noch heißen mögen, zuunterbinden. Auch die neuzeitliche Pädagogik kämpft vergebens gegen sie an: Pünkt-lich zum vorgeschriebenen Termin treiben die pelzverhüllten Gestalten wieder ihrUnwesen.
Im Gegenteil- Untersuchungen bestätigen, daß das Krampustreiben in den letz-ten 30 Jahren überaus zugenommen hat. In Mittersill stürmen an die 100 Krampusseden Marktplatz, ebenso in Niedernsill, wo sie sternförmig in das Dorf strömen. InZell am See wird im Ortszentrum ein„ Höllenfeuer“ angezündet, um das die„ Teufeln“zunächst einen wilden Tanz aufführen, ehe sie sich mit ihren Ruten den zahlreichenZusehern zuwenden. Beispiele wie diese aus dem Pinzgau ließen sich fortsetzen. Über-all darf am Rande auch der Nikolaus, manchmal in Begleitung von Engeln, einemButtentrager oder Bettler, einem Esel oder einer Habergeiß, auftreten. Um die Wirkungzu steigern, kommt er wie Knecht Ruprecht mit Geklingel im Pferdeschlitten oder garmit dem Hubschrauber direkt vom„ Himmel". Nach belehrenden Worten und klei-nen Geschenken an die Umstehenden muß er aber bald das Feld den„ Klaibaifs“ und„ Toifln“ überlassen. Solche organisierte Krampusläufe folgen einem gleichen Muster:Beschränkte sich das brauchtümliche Geschehen früher primär auf die Stube und be-zog die Handlung ihren Sinn aus dem Dialog mit den Angehörigen der Hofgemein-schaft, so bilden nun der öffentliche Platz und die hoffentlich zahlreichen Zuschauerdie Kulisse für das höllische Spektakel. Absperrungen und ein vermehrtes Aufgebot anGendarmen signalisieren, daß es sich um ein gefährliches Spiel handelt.
Die Teufelsgestalt der Krampusse entsteht unter dem Einfluß der barockenNikolausspiele. Hand in Hand mit dieser Veröffentlichung des Brauches erfolgt aucheine Veränderung des äußeren Erscheinungsbildes. Nicht nur, daß man die alten Stoff-oder Fellmasken durch geschnitzte Holzlarven ersetzt, man beginnt sie auch ins Rie-senhafte und Groteske zu steigern. Die Schnitzer finden ein neues Betätigungsfeld, beidem sie sich austoben und einander mit originellen Einfällen überbieten können. DerAusgangspunkt dieser Entwicklung ist in Matrei( Osttirol) zu suchen. Hier kreierte derbegabte Schnitzer Tobias Trost Masken, bei denen die Träger durch die Nasenlöcherschauen. Dadurch lassen sich die Larven unabhängig von der Gesichtsform in freier
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